Das Wichtigste wieder vorweg:
Zu Silvester brauchen unsere heimischen Wintervögel unsere Unterstützung! Weshalb, lernten die Teilnehmenden am 03.01.2026 von Dr. Zvonimir
Marelja (NABU-Vorstand und ausgesprochener Vogelfreund und -experte) im Rahmen seines spannenden Vortrags über die heimische Vogelwelt, ihre teilweisen Anpassungsstrategien an den
Klimawandel und ihre jeweils ganz besonderen Eigenheiten und Vorlieben kennen. Alle Arten, die den Winter hier bei uns verbringen, haben jedoch eines gemein: Silvester bei gleichzeitig
anhaltendem Frost bedeutet für sie puren Stress!
Ausgelöst durch den Silvester-Lärm verstecken sich die Vögel verängstigt tagelang, anstatt weiter täglich nach Futter zu suchen. Doch inzwischen ist es so kalt, dass sie selbst in ruhigen Momenten kein Futter mehr finden können. Dies ist für sie lebensgefährlich, denn gerade unsere kleineren Garten- und Singvögel verlieren pro Fastentag 10 Prozent ihrer Winter- bzw. Fettreserven, so Zvoni!
(…das wäre doch auch eine schöne Routine für jedes Jahr…)
Welches das „richtige“ Futter für welche Vogelart ist, haben wir in diesem Workshop erarbeitet und natürlich für den Providenzgarten auch umgehend praktisch umgesetzt.
Zvoni hatte für die Wissbegierigen und frühen Vögel aus dem NABU HD (n=4TN) erstmal jede Menge Vogelportraits zur Hand und bat uns, einmal den Versuch zu starten, die Arten nach den Kategorien
ZUGVOGEL (verlässt die Heimat während des Winters), sog. TEILZIEHER (ein Teil der Population verlässt die Heimat und zieht weiter in wärmere Gebiete, ein anderer bleibt) und WINTERVOGEL (bleibt
durchgehend) zu sortieren. Hierbei ist interessant, dass die Gruppe der Teilzieher immer größer wird, diese es aber dafür ungleich schwerer hat, wenn die Winter dann doch nicht „mild“ genug
sind.
Interessant war auch zu lernen, welche unserer heimischen Vögel wo anzutreffen sind- also am Waldrand oder mitten in der Stadt oder überall – bei geeigneten Habitaten und
Futterangebot.
Ein Blick in vereisten, vereinsamten und kargen Providenzgarten ließ uns hier schon erahnen, dass es noch viel zu tun gibt. Denn wodurch werden unsere Vögel überhaupt angelockt?
(Über)Lebensbedingungen für unsere gefiederten Mitbewohner sind:
1. ein ganzjährig naturnah gehaltener Garten mit
2. viel natürlichem Futterangebot (einige Arten: Insekten, Würmer, alle: Samen und Früchten, Stichwort: naturnahes Gärtnern mit heimischen Pflanzen, die hier die Nahrungsgrundlage
darstellen),
3. guten Versteck- und Nistmöglichkeiten (Stichwort: Vogelhecke!) und
4. Mitmenschen, die sich mit ihren Bedürfnissen beschäftigen.
Und daran arbeiten wir ja gerade ;). Damit sich pünktlich zum Workshop ein Vogel blicken lassen würde, haben Hedi und ich uns schon direkt am 01.01.2026 vormittags bei den Vögeln für die Böllerei
„entschuldigt“ und mit der Zufütterung begonnen. Da die Arten unterschiedliche Bedürfnisse haben, was das Futterangebot aber auch die Art der Fütterung betrifft, sind wir „mehrgleisig“ gefahren
und haben sowohl
eines der Futterhäuschen mit Fettblock vom NABU-Shop (Versand über die Webseite) am Baum aufgehängt (auf
dem Foto: A),
Wichtig ist bei der Wahl der Futterstelle, dass sich die Vögel an das Futter „anpirschen“ können, sie brauchen also Versteckmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe, von wo aus sie ihre Anflüge zur Futteraufnahme starten und direkt danach wieder dorthin verschwinden können.
In unserem Fall ist das die Baumkrone (D) und die Hecke neben dem Sandsteinaltar (E).
Das ist prinzipiell eine gute Strategie, wenn man bedenkt, dass unsere Garten- und Singvögel ja auch gern mal jagenden Katzen zum Opfer fallen. Unsere Futterstellen wurden also mit Bedacht
gewählt und waren außerdem perfekt aus dem kleinen Saal des Gemeindezentrums einsehbar.
Hier eine Blaumeise an einer recycelten Toilettenpapierrolle, die von Hedi mit ungesüßter Erdnussbutter in einer vom NABU empfohlenen Vogelfuttermischung gewendet und auf
Sichthöhe der Teilnehmenden am Workshop im Providenzgarten aufgehängt wurde.
Sehr süß, der kleine leichte Akrobat!
Und dahinter eine Kohlmeise beim Aufpicken der gehackten Erdnüsse und der Mehlwürmer auf dem Sandsteinaltar.
Die Hanfsamen haben sie liegen lassen, die werden von den (noch nicht anwesenden) Finkenarten bevorzugt. Auch das Rotkehlchen fehlte, das gerne vom Boden oder ebenen Flächen pickt, ebenso wie die (noch fehlenden) Spatzen. Hier haben sich aber direkt Amseln eingefunden und sich gegenseitig Bescheid gegeben (n=6) Ohne Bild aber gezählt!
Nuss-Futterringe
Aus ganzen Erdnüssen und gebrauchten Kleiderbügeln, die wir als Sachspende von der Textilreinigung am Uniplatz erhalten haben (vielen DANK!) formten wir praktische und hygienische Futterringe, die ganz einfach am Haken im Garten oder am Balkon oder sogar am Fensterbrett aufgehängt und auch wieder frisch „bestückt“ werden können - Eichelhäher und Elstern lieben ganze Nüsse!
An die Haken noch einen unserer niedlichen Glückspilze oder eine frische Scheibe Apfel und fertig ist der außerdem hübsch anzusehende „Agility“-Spaß für die Vögel!
Meisenknödel mal anders
Zutaten für unsere all inclusive und PLASTIKFREIE Mischung für Meisenknödel und Futtergläser mit Ansitzvorrichtung (einen Zweig in die noch weiche Masse stecken) und praktischem Band zum
Aufhängen an einem Ast:
*flüssiges Kokosfett (nicht kochen!), *Hirse, *gehackte Erdnüsse, *geschälte Sonnenblumenkerne, *Sonnenblumenkerne, *Hanfsamen, *Haferflocken *Rosinen und (in einigen Fettblöcken) *Mehlwürmer
Doch merke: wer einmal füttert, sollte auch am Ball bleiben- zumindest bei FROST und geschlossener Schneedecke! Denn die Vögel stellen sich sehr schnell auf einen einmal entdeckten Futterplatz ein und speichern diese Stelle fest in ihrem Reviergedächtnis.
Einige Arten scheinen sich auch gegenseitig über die neuen Futterquellen zu informieren, so wurden aus einer einzigen Kohlmeise am 01.01. VIER KOHLMEISEN am 03.01 und FÜNF KOHLMEISEN am
04.01. Das tägliche Anfliegen einer solchen Futterstelle kostet die kleinen Singvögel Kraft und sie sollten dann auch regelmäßig Futter vorfinden. UND: die Futterstelle
unbedingt sauber halten! BESONDERS IN ZEITEN DER VOGELGRIPPE!
Außerdem beschäftigten wir uns mit der Stunde der Wintervögel, initiiert vom NABU, bei der Jede und Jeder gebeten wird, sich am zweiten Januarwochenende eine Stunde lang Zeit zur Vogelzählung zu
nehmen.
Wir haben anhand der bei uns im Naturschtzzentrum ausliegenden, kostenlosen Zählhilfen schon vorab geübt und alle Teilnehmenden haben sich die entsprechenden Materialien
inklusive des Faltblattes zum „Who-is-Who der Wintervögel“ und des selbst hergestellten Vogelfutters mit nach Hause nehmen dürfen.
Deshalb sollte Folgendes bis zum Frühling im Garten stehen bleiben (bzw. überhaupt existieren…)
1. Vertrocknete Blütenstängel
- hohle Stängel speichern warme Luft,
- genutzt von allen Meisenarten und dem Zaunkönig
- außerdem sind sie oft Überwinterungsquartier für Insekten und deren Larven
2. Ein Reisighaufen
- verzweigte Äste halten den Wind ab und speichern Wärme
- genutzt von Spatzen
3. Ungemähte Grasflächen
- dichte Grasbüschel wirken wie eine Isolierung, einfach Ecken, Zäune, Randbereiche stehen lassen
- genutzt von bodennahen Singvögeln, wie z.B. dem Rotkehlchen
4. Immergrüne Sträucher
- ganzjähriger Schutz vor Schnee und Wind
- genutzt von Finken und Rotkehlchen, u.a.
- Rückschnitt der Sträucher nicht vor dem Winter, sondern im zeitigen Frühjahr
5. Bei Dauerfrost kann mit Hilfe eines Ton-Untersetzers und einem Grablicht in einem Kübel darunter eine eisfreie Wasserstelle angeboten werden. Das Wasser sollte
jedoch täglich gewechselt werden!
Ein naturnaher Garten hilft ALLEN ARTEN und zwar ganzjährig
Ich hoffe, ihr seid bei diesen nächsten Workshops der Reihe "Helfende Hände" wieder mit Neugier und Tatendrang dabei!
Mit naturverbundenen Grüßen,
Eure Nicole Lill
Letzte Aktualisierung: 18.01.2026 (MP)