Geflegte Biotope sind artenreicher

Unser kleines Mosaik aus Kostbarkeiten

Text von Anja Betzin, Fotos von Birgit Riedel

Volker Violet, Maike Petersen und Phil Kremer bei der Pflege des oberen Abschnittes
Volker Violet, Maike Petersen und Phil Kremer bei der Pflege des oberen Abschnittes

Ich genieße die Arbeit an der frischen Luft, die Möglichkeit, etwas zu lernen,

sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und das alles in Kombination

mit viel Spaß und sinnvollem Naturschutz

 

antwortet die Studentin Sigrid prompt auf die Frage, warum sie bei der Biotoppflege mitmacht. Damit spricht sie vielen Aktiven in der Biotoppflege aus dem Herzen.

Hier stelle ich Ihnen ein wunderschönes Biotop am Rande von Heidelberg vor und erkläre, was wir dort machen. Vielleicht werden Sie neugierig und schauen mal bei uns vorbei?

Alter und Neuer Weinberg Handschuhsheim

Wer ab und an zwischen Heidelberg und Dossenheim in dem Gartengebiet an der Bergstraße unterwegs ist, kennt vielleicht unser Hinweisschild auf das NABU-Biotop Weinberg. Hier liegen nördlich des Hellenbachtals und ganz in der Nähe des NABU-Gartens vier schmale, steile Flurstücke, die der Arbeitskreis Biotoppflege für die Stadt Heidelberg sowie private Grundbesitzer bewirtschaftet.

Warum pflegen wir inmitten der unzähligen Gärten in Handschuhsheim mit viel Energie gerade dieses Grundstück?

Viele der alten Heidelberger Gärten und Weinberge verbuschen, wenn die Nutzung durch die Eigentümer oder Pächter eingestellt wird. Artenreiche Mähwiesen, Streuobstbestände und Weinreben, die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte bewirtschaftet wurden, verschwinden.

 

Mit dem Aufkommen von Brombeere, Goldrute und Gebüschen verringert sich die Vielfalt an Pflanzenarten, was wiederum negative Auswirkungen auf Vögel, Insekten und viele andere Tiergruppen hat.

Hier, am Alten und Neuen Weinberg, erhalten und entwickeln wir mit viel Handarbeit ein Mosaik aus artenreichen Mähwiesen, Gebüschen, Obstbäumen und Trockenmauern. Der überwiegende Teil der Pflegearbeiten besteht aus dem Mähen der Wiesen.  Zweimal im Jahr, je nach Wetter und Aufwuchs Ende Mai und im September, werden die Wiesen insektenfreundlich mit dem Balkenmäher geschnitten.

Dann haben sich bereits die meisten Wildkräuter ausgesamt, was langfristig ein Ansteigen des Kräuteranteils in der Wiese bewirkt – die Wiesen werden blüten- und artenreicher. Ganz besonders wichtig ist das Zusammenrechen des Schnittguts. Hierbei werden Nährstoffe aus der Wiese ausgetragen, sie wird ausgemagert. Auch wenn es komisch klingt, magere Wiesen sind deutlich artenreicher als fette Wiesen.

 

Das Abrechen des Grünschnitts oder Heus ist eine der Haupttätigkeiten unserer ehrenamtlichen Biotoppfleger.

 

Mit dem Rechen in der Hand am steilen Hang zwischen Haufen von duftendem Heu kommen wir uns manchmal vor wie die Bergbauern in den Alpen!

Es wird bunter in der Wiese

Gartenrotschwanz. Foto: Manfred Eimers
Gartenrotschwanz. Foto: Manfred Eimers

Die regelmäßige und fachgerechte Pflege führt bereits jetzt zu einer deutlichen Verbesserung der Artenvielfalt in den Wiesen im Biotop. Jedes Jahr finden wir neue Pflanzenarten, die bisher nicht vorkamen. 2018 freuten wir uns besonders über die gefährdete Raue Nelke (Dianthus armeria), auch Weinbergs-Lauch (Allium vineale) und Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) wachsen bereits in unserem Biotop.

Mit der Vielfalt an Pflanzenarten steigt auch die Menge der Insekten, davon profitieren wiederum bedrohte Arten wie Gartenrotschwanz, Neuntöter und Zauneidechse, die am Weinberg ihren Lebensraum haben – diese und viele andere Arten können wir bei der Biotoppflege regelmäßig entdecken.

Und noch etwas Neues gibt es 2018 im Biotop: SchülerInnen der Marie-Baum-Schule haben in Kooperation mit der Klimastiftung einen Teil der Rebzeilen wieder instand gesetzt und neue Reben gepflanzt, die jetzt von den Kindern gepflegt und bewirtschaftet werden.

 

Wir freuen uns, dass nun wieder ordentlicher Wein am Weinberg wächst!

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung 23.12.2018 (MP)

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