Schneckenplage im Garten

Die acht besten und naturverträglichen Tipps

Von Maike Petersen

Foto: Claudia Zieboll
Foto: Claudia Zieboll

Gefräßige Schnecken und Gartenbesitzer sind natürliche Feinde: Angriffs- und Abwehrmaßnahmen verlangen von beiden Parteien einen regelmäßigen Strategiewechsel und viel Geduld. Was in einem Jahr klappen kann, wirkt vielleicht im nächsten nicht, und feuchte Sommer bringen der Schneckenfraktion einen deutlichen Vorteil. Die Liste der bekannten Abwehrmaßnahmen ist groß, doch eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Oft wirkt die Kombination mehrerer Methoden am besten. Allerdings sind nicht alle Schnecken schädlich! Sie fressen verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, zersetzen Pflanzenreste und tragen so zur Humusbildung bei.

Nacktschnecken sind die größte Sorge

Drei Schneckenarten sind besonders problematisch: die Spanische Wegeschnecke, die Gartenwegschnecke und die Ackerschnecke. Sie können in Massen auftreten, was darauf hinweist, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Die vor etwa 50 Jahren aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) ist dabei besonders problematisch, da sie heimische Nacktschneckenarten verdrängt, wegen ihrer starken Schleimabsonderung und ihres bitteren Geschmacks selbst von Igeln oder Kröten meist verschmäht wird, auch gegen Trockenheit vergleichsweise wenig empfindlich ist und einfach vergleichsweise viel frisst.

Spanische Wegschnecke. Foto: Maike Petersen
Spanische Wegschnecke. Foto: Maike Petersen

Die einheimische Rote Wegschnecke (Arion rufus) ist inzwischen von der Spanischen Wegschnecke aus dem Kulturland verdrängt worden und findet sich fast nur noch in Wäldern und Wiesen. Sie steht im Baden-Württemberg auf der Vorwarnliste berdohter Arten.

Nicht alle Schnecken richten Schäden an

Die Weinbergschnecke. Foto: Jannis Petersen
Weinbergschnecke. Foto: Petersen

Die sehr häufigen Bänderschnecken und die meisten anderen Gehäuseschnecken richten keinen oder wenig Schaden an, da sie überwiegend von totem Pflanzenmaterial leben. Die Große Weinbergschnecke steht nicht nur unter Naturschutz, sondern sie frisst auch die Eigelege der Nacktschnecken auf. Sie kann erstaunlich gut klettern - wie auf dem Foto links zu sehen.

 

Die wichtigsten Arten an Schnecken in Gärten werden z.B. hier beschrieben: www.schneckeninfo.de/schneckenarten/

Schnecken mögen keine Trockenheit

Grundsätzlich sollte man den Boden um gefährdete Pflanzen herum möglichst offen halten und nicht oder nur sehr dünn mulchen, damit der Boden abtrocknen kann. Schnecken brauchen viel Feuchtigkeit – Trockenheit ist deshalb ihr größter Feind.

Absammeln, Kaffeesatz und naturnah Gärtnern sind immer noch am wirksamsten

Wir stellen Ihnen unten einige Methoden vor, aber am besten funktioniert nach wie vor das regelmäßige Schneckensammeln.

Ein Schneckenfresser: die Erdkröte. Foto: Christel Pietsch
Ein Schneckenfresser: die Erdkröte. Foto: Christel Pietsch

Ein naturnah angelegter Garten, der Nützlingen Unterschlupf bietet, ist von vornherein besser gegen Schnecken gewappnet. Massen-vermehrungen von Nacktschnecken kommen hier nur selten vor. Erwachsene Schnecken werden von Igeln und Spitzmäusen, einigen Vogelarten wie Amseln, Staren und Elstern, außerdem von Kröten und Blindschleichen gefressen. Über Eigelege und Jungschnecken machen sich gerne Laufkäfer, Glühwürmchen und Hundertfüßler her.

Die 8 besten Maßnahmen

  • Absammeln. Das konsequente Sammeln von Schnecken ist zwar langwierig, aber sehr wirksam. Man kann es sich einfacher machen, indem man den nachtaktiven Schnecken Tagesverstecke anbietet wie Bretter, alte Dachziegel oder umgedrehte Blumentöpfe. Darunter lassen sie sich tagsüber gut einsammeln: Die beste Zeit zum Schneckensammeln ist spät abends oder nach einem warmen Regen ganz früh morgens. Die eingesammelten Schnecken sollte man nicht beim Nachbarn aussetzen und - besonders die Spanische Wegschnecke - auch nicht in Massen in der Natur. Es wird empfohlen, sie in Plastikbeuteln einzufrieren und dann zu kompostieren. Zerschneiden oder zerstechen ist nicht jedermann/-fraus Ding.
  • Abhalten durch Schneckenzaun. Schneckenzäune sind zwar hoch wirksam, aber auch sehr teuer (bis zu 100 Euro, je nach Größe) und nicht wirklich schön. Man muss dann auch aufpassen, dass wirklich keine Blätter irgendwo überhängen und eine ungewollte Einstiegshilfe bilden. Es gibt Schneckenzäune aus Metall, Alu, Kupfer und Plastik, die aufgrund ihres Winkels nicht überwunden werden können. Auch mit Strom. Die Zäune sollten mindestens zehn Zentimeter tief im Boden verankert werden und ungefähr genauso hoch heraus ragen.
  • Abhalten durch Streu, Sägespäne, Kaffeesatz, Kalk, Asche und Kupfer. Schutzringe um Gemüsebeete können wirksam sein. Sie halten Schnecken entweder durch ihre entfeuchtende Wirkung fern, bilden eine raue Oberfläche, die Schnecken nicht mögen, sind giftig oder schädlich. Werden die Sperrstreifen feucht - wie nach Regenfällen oder starker Taubildung - müssen sie aber erneuert werden. Und sie erfordern einiges am Platz: Branntkalkstreifen sollten 30 Zentimeter breit sein, Sägemehl sollte mindestens fünf Zentimeter mächtig und in einer Breite von einem halben bis einem Meter gestreut werden.
    Branntkalk verätzt die Sohle der Schnecken, sich lösendes Kupfer aus ringförmigen Ketten oder Drähten wirkt giftig auf Weichtiere. Ebenso Kaffeesatz, der noch von allen Methoden hier die beste Wirkung zeigt.
    Aber Achtung: Kalk und auch Salz schaden ziemlich schnell den Pflanzen.
  • Wandern eindämmen – Pflanzen morgens gießen. Eine verträgliche und generell wirksame Maßnahme ist es, gefährdete Beete nicht abends, sondern frühmorgens zu gießen, so dass die nachtaktiven Schnecken die Feuchtigkeit nicht zur Futtersuche ausnutzen können. Nacktschnecken können einen Aktivitätsradius von bis zu 15 Metern haben! Besser als ein ganzes Beet zu gießen, ist das gezielte Wässern von Einzelpflanzen.
  • Eiablage und Überwinterung erschweren. Wer gerne im Herbst hackt und den Boden auflockert, macht es den Schnecken leicht, ihre Eier zwischen den Krumen abzulegen und ein Plätzchen zum Überwintern zu finden. Daher lieber im Frühling den Boden lockern und damit auch gleich die Gelege zerstören.
  • Mit Pflanzenextrakten einsprühen. Man kann Zierpflanzen zum Schutz mit Pflanzenextrakten, etwa aus Farnkraut, oder mit starkem Bohnenkaffee einsprühen. Das muss dann aber nach jedem Regen wiederholt werden.
  • Enten und Hühner. Ausgezeichnete Vertilger von Nacktschnecken sind Indische Laufenten (www.laufenten.de/?Allgemeines) und Khaki-Campell-Enten. Diese Enten können die Schnecken riechen. Sie brauchen aber unbedingt viel Wasser, sonst ersticken sie beim Herunterschlingen. Ein Paar reicht pro Garten. Hühner sind auch gut geeignet, da sie die Scheckengelege fressen. Für den kleinen Ziergarten sind freilaufende Geflügel allerdings eher nichts...
  • Ertrinken in der Bierfalle. Der Klassiker der Schneckenbekämpfung! Schnecken lieben Bier und fallen angesäuselt dann auch genau da, wo sie gerade kriechen, ins Bierkoma. Sie lassen sich so leicht absammeln. Eher selten fallen sie körperlich in den Bierbecher hinein. Dafür aber andere, nicht beabsichtigte Tiere. Daher Becherfallen nie ebenerdig eingraben! Auch bedenken sollte man, dass sich ein attraktiver Bierkiosk in erkriechbarer Nähe schnell herumspricht - und der Nachbar hat plötzlich keine Schnecken mehr. Daher: ausprobieren.

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 01.06.2016 (MP)

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