„Eulen nach Heidelberg tragen“– das regionale

NABU-Projekt zur Steigerung der Artenvielfalt startet

Maßgeblich gefördert von der Klaus Tschira Stiftung (KTS), Heidelberg

Steinkauz. Foto: Manfred Eimers
Steinkauz. Foto: Manfred Eimers

Von Maike Petersen

Die Aktion Extra¹² der KTS

Die Klaus Tschira Stiftung feierte 2015 ihren 20. Geburtstag. Zum Jubiläumsprogramm gehörte unter anderem die Jubiläumsaktion Extra¹².

2015 hat die KTS im Rahmen der Aktion Extra¹² jeden Monat eine Initiative (Vereine, Einrichtungen, etc.) aus der Rhein-Neckar-Region ausgewählt und gefördert, die keinen naturwissenschaftlichen, mathematischen oder informationstechnischen Bezug hat. Alle Vorschläge für Extra¹² stammten von Mitarbeitern der Klaus Tschira Stiftung und der Heidelberg Laureate Forum Foundation. Sie haben den NABU und die weiteren Projekte benannt, die im Laufe des Jubiläumsjahres gefördert wurden. Die KTS hat die geförderten Projekte auf der Homepage zum Jubiläum www.20jahrekts.de bekannt gegeben.

Helmut Knupfer, Karl-Friedrich Raqué, Sebastian Olschewski, Maike Petersen (NABU) sowie Beate Spiegel und Renate Ries (KTS) bei der symbolischen Spendenübergabe durch Überreichung eines Geburtstags-Kuchens. Foto: ©Klaus Tschira Stiftung
Helmut Knupfer, Karl-Friedrich Raqué, Sebastian Olschewski, Maike Petersen (NABU) sowie Beate Spiegel und Renate Ries (KTS) bei der symbolischen Spendenübergabe durch Überreichung eines Geburtstags-Kuchens. Foto: ©Klaus Tschira Stiftung

Im Dezember hat der NABU Heidelberg mit seinen Vorstandsmitgliedern Maike Petersen und Sebastian Olschewski sowie dem Team des Arbeitskreises Greifvögel eine Fördersumme von über 15.000 Euro erhalten. Die Spendenübergabe und der offizielle Start des Projekts

 

„Eulen nach Heidelberg tragen – eine Initiative für Tiere der Nacht“ 

 

fanden am 7. Dezember 2015 in den Räumen des Naturschutzzentrums in Heidelberg statt. Wir freuen uns sehr, eine große Chance für die Natur und die Menschen unserer Region!

Eulen nach Heidelberg tragen?

„Eulen nach Athen tragen“ – dieser Spruch aus der Antike bedeutet eigentlich „etwas Überflüssiges tun“. 

In Athen gab es vor 2400 Jahren massenhaft Eulen. Und zwar eine ganz bestimmte Art, den Steinkauz.

Er war nicht nur als lebendiges Wappentier der Göttin Athene im Stadtbild präsent, er ging auch auf der Rückseite jeder Silbermünze täglich von Hand zu Hand. Die Eule symbolisierte Reichtum und Weisheit, stand für die Kunst und das Handwerk.

 

  • Der NABU Heidelberg deutet diesen Spruch konsequent um: „Eulen nach Heidelberg tragen“ ist ein typisches und nachhaltiges NABU-Projekt für den Vogelschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Beiden Themen fühlen wir uns historisch besonders verpflichtet.
Schleiereule. Foto: Rosel Rösner, NABU
Schleiereule. Foto: Rosel Rösner, NABU

Die Eule passt nicht nur zum NABU und als Vogel der Weisheit zur KTS. Sie sollte auch ein Vogel Heidelbergs sein: Der NABU Heidelberg sieht unsere Stadt in würdiger Nachfolge zum antiken Athen! Auch wir sind ein internationaler, hochkarätiger Wissenschaftsstandort und ein wirtschaftlich solider Eckpfeiler im Rhein-Neckar-Dreieck.


Im Unterschied zu Athen fehlen uns aber leider noch die Eulen!

Hier setzt unser NABU-Projekt an.

Steinkauz. Foto: Manfred Eimers
Steinkauz. Foto: Manfred Eimers

Wiederansiedlung des Steinkauzes in Heidelberg – die Pläne des NABU

Der NABU ist fest davon überzeugt, dass es möglich ist, den Steinkauz durch konsequenten Lebensraumschutz und die Anbringung von Nisthilfen dauerhaft in Heidelberg wiederanzusiedeln. Und zwar aus folgenden vier Gründen:

  1. Der Steinkauz kam bereits relativ häufig in Heidelberg vor. Als Vogel der Ebenen und der Gartenlandschaften lebte er besonders in den nördlichen Heidelberger Obstanbaugebieten der Handschuhsheimer und Neuenheimer Felder. Viele Heidelberger dürften sich noch an seine nächtlichen Rufe erinnern. Sein Lebensraum wurde aber durch Fällungen alter Bäume, Bebauungen und Flächen-Versiegelungen im Raum Heidelbergs stark eingeschränkt. Anfang 1980 wurden die letzten zwei Paare in Heidelberg gesichtet, danach verschwand dieser Vogel.
  2. Geeignete Biotope sind auch trotz der massiven Einschränkungen noch immer vorhanden. Der Steinkauz liebt kurz gehaltenes Gras und Insekten, die er jagt. Für ihn sind Streuobstwiesen und Pferdekoppeln, aber auch strukturreiche Landwirtschaftsflächen ideal. Und davon haben wir einige im Heidelberger Umland. Ist erst einmal ein geeignetes Biotop erschlossen, können sich dieses Gebiet mehrere Steinkäuze teilen – großzügig auch mit Schleiereulen.
  3. Der Steinkauz braucht zum Brüten alte Bäume mit Höhlen. Gerade die sind aber weitflächig im Heidelberger Umland entfallen. Das Anbringen von Niströhren ist zusätzlich zum generellen Lebensraumschutz eine etablierte Methode zur Förderung und Wahrung des Bestandes. Damit greifen wir auf Vorerfahrungen von uns und anderen Initiativen zurück. Bei einem anderen Greifvogel, dem Wanderfalken, haben wir in Heidelberg bereits gezeigt, dass eine Wiederansiedlung auf diese Weise möglich ist (siehe das Wanderfalkenprojekt von Hans-Martin Gäng).
  4. Der Zeitpunkt ist sehr günstig: Es gibt größere Populationen nicht weit von Heidelberg entfernt, z.B. bei Worms und Heilbronn. 2015 haben wir auch das erste Brutpaar in Wieblingen, willkommen geheißen.

Die Bestände in Baden-Württemberg wachsen: Der Steinkauz ist "im Kommen".

Mit Hilfe der Klaus Tschira Stiftung wollen wir eine „Schneise für den Steinkauz" zurück nach Heidelberg bahnen. Die Schleiereule wird in diese Förderungsmaßnahme mit einbezogen:

  • Die KTS finanziert für Heidelberg 50 hochwertige Steinkauz-Niströhren sowie zehn Nistkästen für die Schleiereule. Der NABU wird diese in Eigenregie aufhängen und warten.

Wir freuen uns, wenn man dann seine typischen Rufe wieder in Heidelberg hören wird: Es ist eine sehr beglückende Erfahrung, wenn Tiere in einen Lebensraum zurückkehren, aus dem sie verschwunden waren!

 

Lesen Sie hier über weitere aktuelle NABU-Initiativen zum Erhalt der Steinkauz-Biotope in Heidelberg

Fledermäuse und Feuersalamander am Heidelberger Schloss

Türknauf im Schlosspark. Foto: Maike Petersen
Türknauf im Schlosspark. Foto: Maike Petersen

Wir haben unser Projekt auf zwei weitere „Tiere der Nacht“ ausgeweitet, für die Heidelberg auch eine besondere Bedeutung hat: Fledermäuse und Feuersalamander.

 

Beide Tiergruppen sind gesetzlich geschützt, kommen aber im Heidelberger Schlosspark zahlreich vor. Er bietet ihnen ein kompaktes Biotop und ist zudem für heimische und internationale Besucher leicht zu erreichen.

 

Der Feuersalamander bildet am Schloss sogar eine der größten Populationen der ganzen Umgebung aus.


Fledermäuse lieben den Schlosspark - die Höhlen, Nischen und Ritzen in den Mauern zum Verstecken, Jungen großziehen und Überwintern sowie das in der Nacht angestrahlte Schloss, was zahlreiche Insekten anlockt. Die Feuersalamander schätzen die Wasserbecken und die Rückzugsmöglichkeiten zwischen den historischen Steinen und Kunstwerken.

  • Die KTS finanziert 24 Fledermauskästen für die verschiedenen lokalen Arten und mehrere Biotop-Optimierungen für den Feuersalamander (Ein- und Ausstiegshilfen in den Becken und engmaschige Gullyabdeckungen).
  • Neben den jeweiligen Lebensraumaufwertungen für diese vier Tierarten (Steinkauz, Schleiereule, Feuersalamander und Fledermaus) ist mit dem Antrag ferner auch die Förderung der Öffentlichkeitsarbeit verbunden.

Die Fortschritte bei der Umsetzung des Projekts können Sie auf den folgenden Unterseiten entdecken:

Drei Dankeschön…

Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Projekt zusammen mit dem Schloss Heidelberg umsetzen können. Die Schlossverwaltung arbeitet seit Jahren eng mit dem NABU zusammen: Wo immer den Tieren geholfen werden kann, wird nach einem Weg gesucht.
Wir möchten uns daher an dieser Stelle bei Herrn Michael Bös herzlich bedanken. Unser Dank gilt auch Brigitte Heinz vom BUND, die bereits seit Jahren die Fledermäuse am Schloss betreut und die unsere Initiative begrüßt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!

Zweifarb-Fledermaus. Foto: Kaija Spruck
Zweifarb-Fledermaus. Foto: Kaija Spruck

Und was wären die Feuersalamander am Schloss ohne Christel Pietsch von unserem NABU-Arbeitskreis Amphibien, die sich bereits seit über neun Jahren für die Feuersalamander mit sehr viel persönlicher Leidenschaft und Fachwissen einsetzt. Auch ihr gilt unser großer Dank!

Sie möchten bei diesem Projekt mitmachen?

Wir werden im Jahr 2016 viele Aktionen im Rahmen dieses Projektes durchführen, an denen Sie sich mit Engagement, Freude und Neugier beteiligen könnten.


Die Nisthilfen werden montiert, Führungen und Sonderaktionen am Schloss abgehalten, und es wird Vorträge geben zu den „Tieren der Nacht“.


Wir informieren Sie rechtzeitig auf unserer Homepage.

Oder schreiben Sie der Koordinatorin Maike Petersen .

Zwergfledermaus-Baby. Foto: Kaija Spruck
Zwergfledermaus-Baby. Foto: Kaija Spruck

Treten Sie unserem neu gegründeten Arbeitskreis Fledermäuse bei oder dem bereits etablierten Arbeitskreis Greifvogelschutz. Wir setzen gerne auch Ihre Ideen und Initiativen um.

 

Bauen Sie mit Christopher Paton, dem Arbeitskreisleiter "Fledermäuse", eine neue lebendige Tierschutzgruppe auf!


 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 18.12.2015 (MP)

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