In der Wand – „Fassadenspechte“

Wohnen zwischen Putz und Polystyrol

Von Maike Petersen

Buntspecht, der häufigste Fassadenspecht. Foto: Manfred Eimers
Buntspecht, der häufigste Fassadenspecht. Foto: Manfred Eimers

Alle Spechte sind findig und klug. Das gilt speziell für Bunt- und Grünspechte, die Fassadenkletterer der Moderne. Sie haben herausgefunden, wie man in die Wärmedämmung zeitgemäßer Häuser eine kuschelig warme Spechthöhle zimmern kann. Es ist ja auch vertraut: eine raue Borke zum Entlangklettern, dahinter vielversprechend klingend ein Hohlraum, nur anfangs mit etwas Aufwand zu bearbeiten und dann die angenehm weiche Struktur wie bei vermodertem Buchentotholz. Sehr specht-gerecht.


Auf Nahrungssuche sind die Spechte eher nicht, wenn sie sich eine bestimmte Hausfassade aussuchen. Und sie würden auch lieber im Wald brüten, wenn es da nur noch geeignetes Totholz gäbe. So klettern sie eben an Hauskanten oder Mauervorsprüngen entlang und wählen sich bevorzugt die wärmere Südseite eines Hauses. Manchmal bleibt es auch nicht nur bei einer Höhle. Die Weibchen haben gerne die Auswahl und Specht kann mit verschiedenen Höhlen durchaus auch Verschiedenes anfangen. Als Nebenmieter können sich dann weitere Nutznießer einschleichen wie Kleiber, Sperlinge, Stare aber auch Mauersegler, Fledermäuse, Siebenschläfer und Eichhörnchen.

  • Es gibt in Heidelberg Gebäude mit weit über 100 Löchern von Buntspechten.

Man ahnt es schon: Vorbeugen wäre besser gewesen. Jetzt puhlen die Tiere den Polystyrol aus der Wand, Feuchtigkeit dringt ein, Frost sprengt weitere Risse in die Dämmung und die Isolierung hat eine Schwachstelle. Ist der Specht gerade auswärtig unterwegs und noch nicht am Brüten, sollte man das Loch schnell zuspachteln. Die Kosten halten sich mit maximal einigen hundert Euro im Rahmen - werden aber von der Wohngebäude-Versicherung nicht erstattet.

Abwehrmaßnahmen

Buntspecht im Wald. Foto: Manfred Eimers
Buntspecht im Wald. Foto: Manfred Eimers

Haben die Tiere aber großen Gefallen an Baumaterial und Lage gefunden, ist es wahrscheinlich, dass sie einen Neubau starten. Dann hilft nur eine Vielzahl von Abwehrmaßnahmen, um die Fassadenspechte zu vertreiben. Wichtig ist, sie großflächig anzubringen und die Methode öfter zu wechseln, denn Spechte gewöhnen sich schnell an die Strategien und lassen sich relativ schnell nicht mehr beeindrucken.

Ist der Specht schon da:

  • so oft wie möglich stören: Lichtblitze, nachts mit einer Lampe in die Höhle leuchten, Lärm machen, 
  • abschreckende Gegenstände anbringen, die sich bewegen, reflektieren, Töne erzeugen: Flatterbänder aus Absperrband, Girlanden aus klappernden Metallstreifen, Vorhänge aus CDs, Wimpelleinen, Windspiele, …
  • Überspannen mit Plastikfolien,
  • Spechtattrappen montieren: der Specht glaubt, das Revier sei bereits besetzt,
  • Feinde simulieren: Raben-Atrappen anbringen und – schwieriger – Uhu- oder Sperber-Silhouetten.

Zur Vorbeugung:

  • Glatten und möglichst harten Hausputz wählen,
  • Fassaden einpacken: feinmaschige Gitter befestigen, keine Netze, die Tiere verfangen sich darin,
  • Hausecken schützen: dünne Metallbleche befestigen, 
  • Fassadenbegrünungen anpflanzen (gut auf den Gittern, Wilder Wein und Efeu lösen Putz).

Achtung: Alle Wildvögel stehen unter Naturschutz. Sie dürfen nicht getötet, verletzt oder gefangen werden. Spechte brüten zwischen April und August.

Anmerkung: nicht nur die Spechte, sondern auch die Halsbandsittiche können gut gedämmte Häuser für sich entdecken. Dazu hier bald mehr.

Quellen:

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 02.01.2016 (MP)

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