Amphibiensterben 2021 am Heidelberger Schloss

Kontaminiertes Wasser im Becken "Vater Rhein"

Im Garten des Heidelberger Schlosses kam es im Jahr 2021 erstmalig zu erheblichen Beeinträchtigungen der seit vielen Jahren gut bekannten Lebensstätten der nach § 44 BNatSchG besonders geschützten Feuersalamander, Erdkröten und Bergmolche.

Update Amphibiensterben in den Schlossbecken: Am 21.12.2021 hat ein Treffen mit
Umweltbürgermeister Schmidt-Lamontain stattgefunden. Umweltbürgermeister und
Umweltamt gehen detailliert auf die NABU-Forderungen ein. Insbesondere wird ein
hydrogeologischer Untersuchungsplan erstellt. Ein Ersatzbecken soll als
Ausgleichsmaßnahme in Nachbarschaft der Schlossteiche für das Frühjahr angelegt werden.


Die toten eingefrorenen Tiere werden auch nochmal fachlich untersucht. Die
hydrogeologischen und baurechtlichen Grundlagen werden von der Stadt jedoch zunächst
noch zurückgehalten; bis zur Einsichtnahme ist eine offizielle Stellungnahme des NABU
schwierig. Sehr deutlich ist allerdings der Schadenszusammenhang mit den Baumaßnahmen an der „Weißen Villa“, Wolfsbrunnenweg 18. – Geplant sind weitere Treffen mit dem Umweltbürgermeister in Art eines „Runden Tischs“.

Genau genommen handelt es sich im Areal des Schlossgartens um den Bereich um die Becken Vater Rhein und die dazugehörigen Grotten (Große Grotte und Nebengrotten), Wasserläufe und Brunnen. Diese gehören zu einem Ensemble von erhaltenen und an originaler Stelle erbauten und gepflegten Anlagen des sog. Hortus Palatinus.

 

Jahrhunderte alte Quellverläufe des Schlossberges versorgen die Becken und Brunnen in den Grotten mit Wasser.

Unter Kurfürst Friedrich V galt der Garten als achtes Weltwunder:

„Besonders staunten der Hofstaat und die Gäste des Kurfürsten über die ausgeklügelten Wasserkünste. Neben Brunnen und Wasserspielen waren „magische Maschinen“ zu betrachten. Die Kraft des Wassers setzte – wie von Geisterhand – Figuren in Bewegung. Nicht erstaunlich ist es, dass Friedrichs Gartenkunstwerk unter den Zeitgenossen als „achtes Weltwunder“ gerühmt wurde."

Eintrag von kontaminiertem Wasser

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gelangte über die Quellzuläufe der Becken mit Baustoffen kontaminiertes Schicht- und Hangwasser einer oberhalb des Areals liegenden Baustelle, die innerhalb des beabsichtigten Bebauungsplanbereiches liegt, in die Becken und führte zwischen Frühsommer und Herbst zum dokumentierten Tod mehrerer Hundert Feuersalamander-Larven, Erdkröten-Kaulquappen und Bergmolch-Larven.

Durch den Eintrag entstand ein alkalischer pH-Wert von über 9.

 

Eine Wasseranalyse mit modernster Methodik im Juni 2021 und September 2021 konnte alle relevanten Kationen und Anionen bestimmen. Hierbei wurden erhöhte Calcium- und Sulfatwerte ermittelt, die auf im Wasser gelöste Gips- bzw. Spritzbetoneinträge hinweisen.

 

Das hierdurch aufgetretene alkalische Milieu führte insbesondere zunächst zum Tod hunderter Feuersalamander-Larven, aber auch Erdkröten-Kaulquappen und Bergmolch-Larven waren betroffen.

 

Mehr dazu lesen Sie auch im Positionspapier des NABU hier.

Wussten Sie es: Feuersalamander stehen aufgrund der sich rasant ausbreitenden Pilzerkrankung „Bsal“ (Batrachochytrium salamandrivorans) oder auch „Salamanderfresser“ im wissenschaftlichen Fokus. Testungen von Totfunden sind in jedem Fall wichtig, da hierdurch auch eine Ausschlussdiagnostik möglich ist. Mehr dazu auch hier.

Der NABU Heidelberg handelt und dokumentiert

Der NABU hat umgehend zusammen mit der Schlossverwaltung Rettungs-, Umsiedlungs-, Wasserverbesserungsmaßnahmen durchgeführt, regelmäßige Analysen initiiert und immer wieder die Entwicklung dokumentiert.

 

Es handelte sich 2021 um ein noch nie dagewesenes Massensterben.

Im nächsten Jahr hoffen wir, u.a. durch die Einleitung von Leitungswasser Ähnliches verhindern zu können.

 

Mehr darüber auch auf SWR aktuell vom 13.12.2021 mit einem Interview von Dr. Karl-Friedrich Raqué, Naturschutzbeauftragter der Stadt und Leiter des AK Greifvogelschutz im NABU Heidelberg.

Feuersalamander. Foto: Christel Pietsch
Feuersalamander. Foto: Christel Pietsch

Das Monitoring 2021 im Detail – Larven und Quappen

  • Regelmäßige Sichtkontrollen und Zählungen entsprechend der Möglichkeiten
  • Regelmäßiges Abwägen von Handlungsoptionen (Larven abfangen und umsetzen - bedeutet Stress - oder Leitungswasserzugabe
  • Regelmäßige pH-Wert Messungen der Becken (simple Methode) inklusive Messung von Referenzgewässern (bspw. Forellenbecken)
  • Nächtelange Einsätze, um Erdkröten- und Bergmolch-Landgänger in sicherer Entfernung zu den Baustellen in den Landlebensraum zu bringen (ca. 400 Erdkröten total, >1000 Bergmolche total)
  • nur 6!! Feuersalamander-Larven hatten bis zum Ablassen der Becken am 20.Okt ihre Metamorphose abgeschlossen (juvenile Feuersalamander)
  • 210 weit entwickelte Feuersalamander-Larven wurden zw. 16.-20.10. mit Keschern aus den Becken geholt und umgesetzt

Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe und die Ergebnisse des Monitorings 2021

Amphibienmonitoring
Monitoring Amphibien_Nabu_webseite.pdf
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Letzte Aktualisierung: 21.12.2021 (MP)

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