Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar, NABU Leimen-Nußloch
Das Meldeportal für ornithologische Beobachtungen ornitho.de hat, seit der Einrichtungen im
Jahr 2011, ca. 35.000 Beobachtungen auf dem Gebiet der Gemeinde Nußloch erfasst. Dabei handelt es sich in der Regel um Zufallsbeobachtungen und nicht um systematische Erfassungen
(Kartierungen).
Zur tageszeitunabhängigen Erfassung des Vogelvorkommens wurde im Wald bei Nußloch-Maisbach, nahe am Waldrand, am 26.10.2025 mit Zustimmung des Waldbesitzers ein Tierstimmenrekorder aufgehängt.
Waldtyp: Buchenmischwald mit Nadelholzinseln, Lage: 293 m NHN
Wegen längerer Abwesenheiten und einer defekten micro-SD-Speicherkarte wurde nur in folgenden Zeiträumen aufgezeichnet:
26.10.2025 – 31.10.2025
03.12.2025 – 07.12.2025
14.02.2026 – 19.02.2026
01.03.2026 – 12.03.2026
In diesen Zeiten wurden fast 70.000 Vogelruferkennungen erfasst.
In der nachfolgenden Liste sind die Arten nach abnehmender Zahl der Rufe angeordnet. Die Erkennungszahlen spiegeln nur die Rufaktivitäten wider, nicht die Häufigkeiten der Vogelarten, denn es gibt jahreszeitlich variierend ruffreudigere und eher stille Arten. Bei den Spechten wurde auch das Trommeln an Bäumen zur Balzzeit als akustisches Signal erfasst. Bei einer detaillierteren Analyse könnte man auch zwischen Zug-, Bettel-, Warnrufen und Gesängen unterscheiden, was an dieser Stelle zu weit führen würde und einen erheblich größeren Zeitaufwand voraussetzen würde.
Die komplexe Tabelle der erfassten Arten entnehmen Sie am besten der Originaldatei.
Die mit Abstand häufigste Eulenart am Standort ist der Waldkauz.
Die Waldohreule ist nur vereinzelt zu hören, der Steinkauz meidet eigentlich den Wald, da er hier zur Beute des Waldkauzes wird. Die vereinzelten Rufe stammen wahrscheinlich von Steinkäuzen in Obstbaumbeständen der benachbarten Höfe, Reiterhöfe und Ortschaften.
Der Uhu ist die größte Eulenart der Welt. Schleiereulen sind bei uns Kulturfolger. Sie brüten oft in Scheunen und Kirchtürmen. Der Raufußkauz gehört zu den kleinen Eulen. Er brütet bevorzugt in Nadelholzbeständen.
Eine weiter Kleineulenart ist der Sperlingskauz. Er war ebenfalls auf durch den vom Stimmrekorder aufgezeichneten Arten, ich habe ihn nicht in die Liste aufgenommen, da die Sonogramm-Musterübereinstimmung mit 67 % unter der von mir gesetzten Grenze von mind. 70 % lag. Von Nußlocher Vogelbeobachtern wurde mir inzwischen mitgeteilt, dass im letzten Sommerhalbjahr regelmäßig ein Sperlingskauz an der Gemarkungsgrenze zu Wiesloch gehört wurde.
Im Gebiet sind einige Spechtarten häufiger zu hören:
Grauspechte ähneln im Aussehen den Grünspechten. Auch ihre Reviergesänge ähneln sich, sie sind beim Grauspecht allerdings weniger „laut lachend“ und der
zeitliche Abstand der einzelnen Silben nimmt zu. Sie sind in Baden-Württemberg inzwischen in ihrem Bestand sehr stark bedroht (Rote Liste 2). In ihrem Lebensraum (alte Laubmischwälder, Auwälder,
Parks) sind auf einen hohen Totholzanteil und morsche Bäume angewiesen.
Grün- und Grauspechte sind sog. Bodenspechte, sie ernähren sich hauptsächlich von Ameisen.
Während einige unserer Brutvögel (hauptsächlich Insektenfresser) im Winter in den Süden ziehen, gibt es andere Vögel, aus dem Norden, die bei uns überwintern. in diesem Winter konnten bei uns Bergfinken und Rotdrosseln nachgewiesen werden. Dazu kommen etliche Vogelarten aus dem Norden, die bei uns auch als Brutvögel vorkommen, aber zusätzlich bei uns auch überwintern, beispielsweise Eichelhäher, Gimpel, Rohrammer, Goldammer, Bluthänfling, Kernbeißer, Berg- und Wiesenpieper, Rotkehlchen, Kleiber, Wintergoldhähnchen, Schwanzmeise...

Die Früchte einheimischer Sträucher, wie z. B. die des Weißdorns, liefern auch im Winter Nahrung für Vögel. Rotdrosseln kommen nicht in jedem Winter in gleicher Zahl zu uns. Im Winter 2025/26 war ein starker Einflug von vielen Rotdrosseln.
Wie die Rotdrossel ist auch der Bergfink ein reiner Wintergast und im Sommer bei uns nicht anzutreffen. Er brütet in nordischen Birkenwäldern von Norwegen bis Ostsibirien. Im
Winter werden die Brutgebiete vollständig verlassen. Er überwintert dann in Mittel-, West und Südeuropa sowie in Ostasien. In Mitteleuropa suchen Bergfinken bevorzugt Buchenbestände auf. Abends
können sich dann in bestimmten Gebieten Massenschwärme von einigen Millionen Bergfinken versammeln. Außerhalb der Wälder sieht man sie auch auf nicht abgeernteten Sonnenblumenfeldern und
Futterplätzen in Gärten.

Bald ist die Zugzeit vorbei und es beginnt die Brutzeit. Die aufgezeichneten Rufe ermöglichen dann eine Übersicht über die im Gebiet des Tierstimmenrekorders vorkommenden Brutvogelarten und die Veränderung der jahreszeitlichen Rufaktivitäten. Interessant wäre auch der Vergleich des Vogelvorkommens in verschiedenen Lebensräumen Nußlochs durch Platzierung weiterer Tierstimmenrekorder, u. a. auch zur Feststellung der Durchzugsrouten der Zugvögel.

Im untersuchten Gebiet wird die Vielfalt der Vogelarten durch einen strukturreichen Buchenmischwald mit eingesprengten Nadelwaldinseln bestimmt.
Meinen Dank möchte ich an dieser Stelle Sven Zuber aus Maisbach aussprechen, der mir einen geeigneten Standort für das Aufhängen des Tierstimmenrekorders auf seinem Grundstück
gezeigt hat. Des Weiteren danke ich Hagen Schmid aus Nußloch für tolle Fotos und viele Hinweise über den Reichtum der Natur in Nußloch sowie Dr. Dorothea Koch
für ihre Aufnahmen von Rotdrosseln.
Armin Konrad
Heidelberg, 22.03.2026
Letzte Aktualisierung 04.04.2026 (MP)