Warum ist der Erhalt von Ursprungsboden so wichtig?

Lena Deißer - Mitglied im AK Umweltwissenschaften, Agrarwissenschaftlerin und Mutter von zwei Kindern teilt ihr Wissen dazu

Wir alle stehen auf Boden. Doch was verbirgt sich unter Boden oder warum ist Boden nicht gleich Boden?


Unsere landwirtschaftlichen Flächen und Grünflächen sind ein Ergebnis eines Prozesses, der Jahrmillionen gedauert hat. Bevor es fruchtbare Erde gab, waren hierzulande nur Vulkangesteine. Über viele Jahre hat sich durch Verwitterungsprozesse tiefgründiger Boden gebildet. Durch Kälte, Wasser, Wind und Hitze wurden die Oberflächen des Urgesteins aufgebrochen und kleinste Lebewesen und Pflanzen konnten sich in den Rissen ansiedeln und haben somit dazu geführt, dass sich das Gestein aufgebrochen hat. Auch durch Wind wurden Sedimente von anderen Orten der Erde abgetragen und haben sich als fruchtbarer Belag auf unsere Böden gelegt.


Vor allem in den obersten 20 – 30 cm finden wir in unseren Böden viel Leben in Form von Bakterien, Flechten, Pilzen und Algen. Man bezeichnet dieses Bodenleben als Edaphon, die Boden-Flora und -Fauna. Je nach Bodenart und nach Art der Bewirtschaftung ist dieses stark oder weniger stark aktiv. Die Zusammensetzung des Edaphons ist sehr anpassungsfähig und hat sich im Laufe der Jahre an seine Anforderungen angepasst. Im Edaphon finden Stoffwechselprozesse des Bodens statt, die u.a. dabei helfen, organisches Material in Humus aufzubauen, damit dieses für die Pflanze, die darauf wachsen soll in Form von Nährstoffen zur Verfügung steht. Selbst ein stark bewirtschafteter Acker hat noch oder kann wieder zu einem Boden mit einem gut funktionierenden Bodenleben aufgebaut werden.


Die wichtigsten Funktionen von Ackerflächen, Grünflächen und Wald sind die maßgebliche Beteiligung an der Bildung des Kleinklimas durch Gasaustausch mit der atmosphärischen Luft, Wasserversickerung zur Speisung der Grundwasservorräte, Filterung von Wasser und zur Verhinderung von Überschwemmungen der Kanalisationskanäle und Lebensraum für Tiere. Hinzu kommt, dass wir fruchtbare Böden brauchen, um langfristig unsere Nahrungsgrundlage zu sichern.


Doch was passiert, wenn man Ackerflächen und Grünflächen versiegelt oder wenn in einem Boden keine Organismen mehr leben?


Neben dem Edaphon hat jeder Boden je nach Art der Zusammensetzung des Ursprungsmaterials und der Aktivität des Edaphons unterschiedliche Bodengefüge. Dieses hat sich ebenso über Jahrmillionen entwickelt. Selbst beim hierzulande noch verbreiteten Pflügen wird dieses Gefüge oberflächlich zerstört. Wenn man einen Acker, eine Grünfläche oder Wald nun versiegelt, d.h. stark umgräbt, betoniert oder bebaut, zerstört man alle diese Eigenschaften des Bodens dauerhaft. Ein Waldboden wird nie mehr der Waldboden sein, der er war als noch Wald darauf stand. Ein betonierter Acker kann nicht mehr so einfach zu einem Acker rückgebaut werden, schon allein der Tatsache wegen, weil sich Reste des Betons mit der Erde vermischen würden.


Unser Boden ist eine natürliche Ressource. Natürliche Ressourcen sind empfindliche Systeme, die u.a. benötigt werden, um die Luft zu reinigen oder Wasser zu filtern. Ein Problem der Neuzeit ist, dass es zunehmend zur Übernutzung von natürlichen Ressourcen kommt. Dieses Problem sehen wir vor allem in der Abholzung der Wälder, an Überfischung der Meere, am Rückgang der Artenvielfalt und an der Degradierung der Flächen. Boden, Fischbestände und Wälder zählen zwar zu den erneuerbaren Ressourcen, jedoch nicht wenn der Verbrauch oder die Entnahme größer ist als der Zuwachs. Alle diese Ressourcen können nur erneuerbar sein, wenn sie nachhaltig bewirtschaftet werden.


In seinem Grundsatzprogramm Nachhaltige Siedlungsentwicklung unterstreicht der NABU-Bundesverband, dass Siedlungsentwicklung in Deutschland nur dann nachhaltig sein kann, wenn dafür keine weiteren Flächen jenseits heutiger Siedlungsgrenzen in Anspruch genommen werden. Doch wie sieht es in der Realität aus?


Mit einem Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen von etwa 10 ha pro Jahr trägt Heidelberg überdurchschnittlich zum Flächenverbrauch in Deutschland bei. Mit einem JA zum Bürgerentscheid werden wertvolle Ackerflächen für die nächsten Generationen erhalten.

Heidelberg, 7.04.2021

Lena Deißer
B.Sc. Agrarwissenschaften
Heidelberg
lenadeisser(at)gmail.com

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