Der Star – spritzig, wendig und nicht zu überhören

Vogel des Jahres 2018

Von Maike Petersen

Der Star. Bild: NABU/Marc Scharping
Bild: NABU/Marc Scharping

Der Star hat das gewisse Etwas – ein schillernder, spritziger Vogel, der im Schwarm mit seinem flüssig-leichten Flug fasziniert. Insofern ist die Bezeichnung „Allerweltsvogel“ schon etwas despektierlich und leider auch nicht mehr gerechtfertigt.

 

Der NABU hat den Star zum Vogel des Jahres 2018 gewählt, weil sich seine Lebensbedingungen dramatisch verschlechtern und weil – wie bei jedem Jahresvogel – er stellvertretend für andere Vögel mit der gleichen Problematik steht. In diesem Fall für noch häufig vorkommende Vögel, die aber dennoch verlieren, weil ihre Lebensräume verschwinden und sie bislang noch nie von gezielten Artenschutzmaßnahmen profitieren konnten. Das sind neben dem Star auch Feldlerche, Feldsperling und Goldammer – drei Vögel der Agrarlandschaft.

Bild: Ausschnitt NABU/Zdenek Tunka
Bild: Ausschnitt NABU/Zdenek Tunka

Vogel im Sternenkleid

Den Star kann man mit keinem anderen Vogel verwechseln, außer vielleicht der Amsel. Er ist aber deutlich kleiner, hat im Flug spitz-dreieckige Flügel, einen kürzeren Schwanz und bewegt sich niemals hüpfend fort. Stare besitzen zudem ein prächtiges Gefieder: Zur Brutzeit schillern die schwarzen Federn metallisch grün, violett oder blau. Weibchen tragen dazu vor allem auf dem Rücken kleine helle Fleckchen. Die Mauser im Spätsommer verleiht beiden Geschlechtern das eher dunkelbraune „Schlichtkleid“ mit einem leuchtenden weißen Ganzkörper-Punktmuster.


Typisch für den Star ist, dass er keinen so ganz typischen Gesang hat: Er pfeift, zischt und schnalzt. Neben diesen lebhaft vorgetragenen Grundfolgen singt aber kaum ein Männchen wie ein anderes. Stare sind Meister im Imitieren und experimentieren gerne mit „artfremden“, auch recht schrägen Klängen herum. Mozart hielt einen Star, der das Rondothema aus dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur nachpfiff. Andere Stare beschränken sich auf schnödes Handyklingeln oder singen Dialekt. Letztendlich wählen die Weibchen doch nur den, der am längsten durchhält.

Wo würde ein Star am liebsten leben?

Der Star braucht Höhlen zum Nisten und offene Nahrungsflächen in etwa einem halben Kilometer Umkreis. In Baden-Württemberg sind für ihn die artenreichen Streuobstwiesen ideal, aber auch andere extensiv genutzte Weidenflächen mit artgerechter Viehhaltung, Pferdehöfe, Mähwiesen oder offene Randlagen.

 

Für die Jungenaufzucht im Frühling benötigt der Star proteinreiche Kost aus Insekten, Spinnen, Würmern und auch kleinen Schnecken. Im Laufe des Sommers verlegt er sich zusätzlich auf Samen und Beeren. Grüne Randstreifen und naturnah gestaltete Gärten mit verschiedenen Beerengehölzen helfen dem Star sehr. Hier ernährt er sich auch gerne von Kirschen oder – in den Weinbergen – von überreifen Trauben. Findet er geeignete Unterschlüpfe nahebei, sieht man ihn auch in der Nähe von Gewässern, ja sogar in den Watten der Nordsee.

Aber genauso wie geeignete Nahrungsflächen immer seltener werden, trifft es auch geeignete ältere Nistbäume mit Höhlen. Diese sind sowieso von vielen Vogelarten stark nachgefragt, wie kleineren Greifvögeln. Der Star ist zudem ein geselliger Typ, ein paar Nachbarn sollte man über den Tag hinweg schon sehen und hören. Mit denen teilt er sich auch alle vorhandenen Ressourcen – bis auf den Nistplatz selbst. Der Star kann mit vielerlei Nischen etwas anfangen, an historischen Fassaden oder Industriegebäuden, unter Ziegeln und auch sehr gerne in Nistkästen.

Und was macht dem Star zu schaffen?

Deutschland hat in nur zwölf Jahren rund 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren – das entspricht einem Verlust von 15 Prozent. Paradoxerweise nehmen manche, eher seltene Vogelarten aufgrund von Schutzmaßnahmen zu, dafür aber häufige und weit verbreitete Arten massiv ab. Der Star ist am stärksten betroffen: Seine Nahrungsflächen und Brutmöglichkeiten werden seit Jahren intensiver Landwirtschaft und dem Sanierungsbestreben von Bäumen und Gebäuden geopfert. Die Zunahme von Mais- und Rapsmonokulturen sowie die zunehmende Stallhaltung von Nutzvieh wirken sich dramatisch aus. Ebenso wie der Einsatz hochwirksamer Insektizide wie der Neonicotinoide. Durch sie sterben neben den Vögeln auch die Insekten. Seit den 1990er-Jahren hat die Biomasse der Fluginsekten zwischen 76 bis 81 Prozent abgenommen. Der NABU fordert daher deren Verbot und eine neue Agrarpolitik auf EU-Ebene.

Ein Naturschauspiel – Der größte Starenschwarm in Baden-Württemberg

Starenschwarm. Bild: NABU/rspb_Special Williams
Starenschwarm. Bild: NABU/rspb_Special Williams

Besonders beeindruckend sind die riesigen Starenschwärme im Oktober/November. Stare schlafen gerne im Schilf. Da geeignete Schilfgebiete rar sind, fliegen die Tiere für einen gemütlichen und sicheren Schlafplatz viele Kilometer weit. Dann kreisen sie lange in der Umgebung und der Schwarm wird immer größer. Das kann man im Kleinen im Miramar, Weinheim, beobachten. Dort fällt ein großer Schwarm Stare abends in die dichte Schilfhecke am Thermen-Wasserbecken ein und zankt sich lange lautstark um die besten Schlafplätze. Oder im ganz Großen: Vor den Toren Heidelbergs befindet sich der größte Starenschlafplatz im Ländle. In der Wagbachniederung bei Waghäusel wurden schon bis zu eine Millionen Stare gezählt!

Als Kurzstreckenzieher verbringen unsere Stare den Winter überwiegend im milden Südwesteuropa und Nordafrika, so dass die Schwärme im Spätherbst weiterziehen.

Viel mehr über den Vogel des Jahres können Sie beim NABU-Bundesverband nachlesen: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/star/index.html

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 06.01.2016 (MP)

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