Lebensader Oberrhein - Mehr Projektinformationen

Ein Verbundprojekt der NABU-Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefördert im Rahmen des „Bundesprogrammes Biologische Vielfalt“

Im Jahr 2007 hat die Bundesregierung die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt ausgerufen. Seit 2011 setzen sich in Deutschland unterschiedliche Projekte für die Umsetzungen der Biodiversitätsstrategie im Rahmen des Bundesprogrammes ein. Das Projekt „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ ist eins von diesen.

Das nördliche Oberrheingebiet zwischen Bingen in Rheinland-Pfalz und Bühl in Baden-Württemberg gehört zu den 30 „Hotspots“ der biologischen Vielfalt in Deutschland. Auf einer Fläche von über 2.200 Quadratkilometern finden wir einen außergewöhnlichen Reichtum an Lebensräumen von nass bis trocken. Die NABU-Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden sich in den nächsten Jahren für die Entwicklung und den Schutz dieser biologischen Vielfalt am Oberrhein einsetzen.

 

Der NABU Baden-Württemberg wird einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf wertvolle Binnendünen und Flugsandfelder setzen. Lebensräume, die in Baden-Württemberg nur am Oberrhein vorkommen.

Das Projekt „Lebensader Oberrhein“ hat ein Gesamtfördervolumen von rund fünf Millionen Euro. Die Kosten werden zu 75 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt und zu 15 Prozent von den Umweltministerien in Rheinland-Pfalz und Hessen bzw. dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg getragen. 10 Prozent der Kosten übernehmen die NABU-Landesverbände von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz selbst.

Beschreibung unserer lokalen Hotspot-Region

Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Quelle: Bundesamt für Naturschutz
Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten

Landschaftsräume: Hardtebenen, Jägersburg-Gernsheimer Wald, Käfertal-Viernheimer Sand und Lampertheimer Sand, Mainz-Ingelheimer Rheinebene,Neckarried, Seeheimer Rinne und Einhäuser Rinne, Nördliche Oberrheinniederung, Pfungstadt-Griesheimer Sand und Griesheimer-Weiterstädter Sand.


Fläche (km2): 2286,78


Landkreise: Alzey-Worms, Bad Dürkheim, Baden-Baden, Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Germersheim, Groß-Gerau, Karlsruhe, Ludwigshafen, Mainz, Mainz-Bingen, Mannheim, Neustadt an der Weinstraße, Ortenaukreis, Rastatt, Rheingau-Taunus-Kreis, Rhein-Neckar-Kreis, Speyer, Südliche Weinstraße, Worms.

Beschreibung: Die Nördliche Oberrheinebene umfasst die Mäanderzone des Oberrheins sowie große Teile des gesamten Oberrheinischen Tiefelandes. Die Rheinaue wird durch die ehemalige Ausformung durch den mäandrierenden Rhein mit ausufernden Hochwassern sowie Erosion und Sedimentation durch die Abflussdynamik und natürlichen Nährstoffreichtum geprägt. Sie gliedert sich in die rezente Überflutungsaue sowie die Altaue. In der Überflutungsaue existieren durch Hochwasserdynamik noch heute naturnahe Bereiche, Reste von Auwäldern (Weich-, Hartholzaue) mit großer Arten- und Strukturvielfalt und Dynamik sowie einer daran angepassten typischen Tier- und Pflanzenwelt. Im Rheinabschnitt zwischen Bingen und Mainz ist der sogenannte „Inselrhein“ noch natürlichen Abtragungs- und Sedimentationsprozessen unterworfen.


Die Altaue umfasst ausgedeichte Bereiche ohne Hochwasserdynamik, aber mit Druckwasser bei Rheinhochwasser, Stillgewässer mit Verlandungszonen, Reste von Niedermooren in den Gestadebuchten, z. T. ausgedehnte Niederungswiesen (Stromtalwiesen) sowie ehemalige Flutrinnen mit Röhrichten.

NSG Hirschacker. Foto: Claudia Zieboll
NSG Hirschacker. Foto: Claudia Zieboll

Die Hardtplatten sind gegenüber der Rheinaue deutlich abgesetzt durch das Hochgestade (= alte Rheinufer). Auf den Hardtplatten sind Flugsandflächen und Dünen mit Sandrasen, lockeren Kiefern- und eichenreichen Wäldern mit an Trockenheit angepasster Tier- und Pflanzenwelt zu finden, die sich in Hessen im Jägersburger/Gernsheimer Waldes sowie im Lorscher und Lampertheimer Wald fortsetzen. Hinzu kommen vermoorte alte Flussrinnen der Rhein-Zuflüsse aus dem Pfälzer Wald und dem Schwarzwald in der Hardtebene mit Feuchtwiesen, Röhrichten und Bruchwäldern. Dazu gehören z. B. die Flächen des Neckarriedes in Hessen, die Kinzig-Murg-Rinne in Baden-Württemberg oder die Bachauen der Haardtrandbäche sowie der dort gelegenen Dreieckswälder.


Im Vorderpfälzer Tiefland sind es zudem die Schwemmfächer von Rehbach, Speyerbach und Modenbach westlich Speyer, der Queichschwemmfächer zwischen Landau und Germersheim, die Kling- und Erlenbachniederungen zwischen Herxheim bei Landau und Kandel sowie die Otterbach- und Lauterniederung zwischen Schweighofen und Wörth. Kennzeichnend sind einerseits Auenwälder, andererseits Buchen-, Eichen- und Kiefernwälder mit Magerrasen auf Sandrücken, Schotterflächen, Feucht- und Nasswiesen sowie zahlreiche verschiedene Gewässertypen (Tümpel, Telmen, Bäche, Altarme, Schluten und Sekundärgewässer).


Flugsandfelder und Binnendünen des „Mainzer Sandes“ mit ihren Steppen- und Sandrasen sind von herausragender internationaler Bedeutung. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten der Lebensgemeinschaften trocken-warmen Klimas befinden sich hier an der West- bzw. Nordgrenze ihrer Verbreitung. Häufig stehen die Mainzer Sandrasen sowie die der pfälzischen Rheinniederung in Kontakt mit Kiefern- und Eichen-Kiefern-Dünenwäldern und ihren Säumen.

  • Der Hotspot umfasst damit die gesamte Bandbreite an naturschutzfachlich hochwertigen Lebensräumen von trockenen kiesigen Sanden bis zu den feuchten oder nassen Flussniederungen, die sich in der Regel von Nord nach Süd in der Rheinebene erstrecken.
  • Das Gebiet ist Lebensraum u. a. seltener und gefährdeter Fischarten sowie Brut-, Rast- und Überwinterungsplatz internationaler Bedeutung für Wat- und Wasservögel und wesentlicher Trittstein zwischen den Rastplätzen in Nord- und Süddeutschland.

 

 

Letzte Aktualisierung: 13.10.2015 (MP)

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