So noch nie gesehen - Tipps zum Fernglaskauf

AK Vogelkunde unterwegs
AK Vogelkunde unterwegs

Der typische hoch-interessante und noch-nie-gesehene Vogel ist flatterig, weit weg, nur kurz zu sehen und wenn, dann voll im Gegenlicht. Dieses Erlebnis kennen Sie bestimmt auch. Sehr gut aufgehoben sind Sie für Ihre ersten Vogel-Ausflüge daher auf einer NABU-Exkursion. Wir kennen die besten Lebensräume, Tages- und Jahreszeiten für eine erfolgreiche und entspannte Beobachtung. Dazu brauchen Sie aber ein taugliches Fernglas. Hier finden Sie dazu ein paar Tipps zur Anwendung und zur Preislage. So viel vorweg: Für den Einstieg reichen Ferngläser um die 150 Euro.

Schwanzmeise. Foto: Manfred Eimers
Schwanzmeise. Foto: Manfred Eimers

Ein Fernglas ist unverzichtbar für die Vogelbeobachtung.

 

Wer sich für Vögel und ihr Verhalten interessiert, braucht früher oder später eines. Nur mit ihm erkennt man für die Bestimmung relevante Details wie Gefiederfarbe, Überaugenstreif oder Schnabelform. Aber welches Fernglas eignet sich dafür? Bei der Auswahl kommt man um einige technische Details nicht umhin.

Vergrößerung und Linsen-Durchmesser – was heißt 10x40?

Erste Informationen über die Leistung gibt auf jedem Fernglas eine Zahlenkombination wie etwa „10 x 40“. Die erste Zahl ist die Bildvergrößerung – im Beispiel 10fach. Sie beschreibt, um wie viel näher ein Objekt dem Betrachter erscheint. Ein 100 Meter entfernter Weißstorch erscheint beim Blick durchs Glas so groß, als sei er nur zehn Meter entfernt.

  • Möchte man also öfter weiter entfernte Vögel beobachten – wie auf entfernteren Wasserflächen–, sind höhere Vergrößerungsfaktoren nötig. Profis nutzen dann Spektive mit 30- bis 50-facher Vergrößerung.


Zum normalen Beobachten sind 7- bis 10fache Vergrößerungen ideal.


Bei höheren Werten lässt sich ein Fernglas nicht ausreichend ruhig halten, das Bild zittert und wackelt. Manche Hersteller bieten heute Kombinationen mit umschaltbarer 10- und 15facher Vergrößerung.


Nach dem Multiplikationszeichen steht der Durchmesser der Frontlinse – im Beispiel 40 Millimeter –, von dem zwei wesentliche Qualitäten abhängen: der Lichteintritt ins Glas und das Sehfeld. Je größer die Frontlinse, desto mehr Licht sammelt das Glas.


Für Tagbeobachtungen eignen sich 20 bis 32, für ungünstige Lichtverhältnisse 40 bis 80 und mehr Millimeter.

  • Möchte man also die „Earlybirds“ oder die Nachgreifvögel in der Dämmerung beobachten, braucht man ein Fernglas mit großer Objektivlinse. Große Linsen fangen mehr Licht ein, machen das Bild heller, wiegen aber auch etwas mehr.

Sehfeld, Lichtstärke und Dämmerungszahl

Fernglas
Foto: Pixabay Steve Buissine

Sind Ihnen noch die folgenden Eigenschaften an Ihrem neuen Fernglas wichtig, erfragen Sie diese unbedingt:


Das Sehfeld beschreibt die Größe des überschaubaren Bereiches auf 1000 Meter Distanz. Je stärker die Vergrößerung, umso kleiner ist das Seh- oder Gesichtsfeld und umso schwieriger ist ein Zielobjekt zu finden. Fliegende Vögel sind mit einem größeren Sehfeld besser auszumachen.

Tipp 1: Dazwischenhalten. Es klappt fast nie, einen fliegenden Vogel mit dem Fernglas auszumachen. Fixieren Sie ihn erst mit dem bloßen Augen und setzen Sie dann rasch das Fernglas in die Sichtlinie.


Die Lichtstärke errechnet sich, indem man die Frontlinsengröße durch die Vergrößerung teilt und das Ergebnis mit sich selbst multipliziert (im Beispiel 40 durch 10 = 4 mal 4 = 16). Je größer die Zahl, umso größer die Lichtstärke und desto heller und detailreicher das Bild.


Die Dämmerungszahl beschreibt die Leistungsfähigkeit des Glases bei Dämmerung und sollte zwischen 12 und 25 liegen. Je höher die Zahl, umso brillanter und heller erscheint das Bild.


Besondere Beschichtungen der Linsen („Vergütung“) zur Verringerung von Reflexionen nehmen ebenfalls Einfluss auf Helligkeit und Farbechtheit. Für intensiven Einsatz empfehlen sich eine Innenfokussierung sowie Gummiarmierung gegen Stöße und Feuchtigkeit.

Akzeptable Gläser ab 150 Euro

Bessere Werte bei Frontlinse, Okular, Lichtstärke, Dämmerungszahl, Vergütung und Abbildungseigenschaften machen sich natürlich beim Preis bemerkbar. Ferngläser kosten zwischen 25 und 2000 Euro, in brauchbarer Qualität mindestens 150 Euro. Für den Einstieg reicht das völlig aus.


Tipp 2: Brillenträger. Gute Binokulare haben eine Dioptrien-Einstellung, die Brillenträger unabhängig für jedes Glas einstellen können. Bei hochwertigeren Ferngläsern kann man diese Einstellung einrasten lassen, sodass sie sich nicht beim Ein- und Auspacken oder mit der Zeit verschiebt. Besitzt das Fernglas eine Okularblende, wird das Blickfeld mit Brille nicht kleiner wird als ohne.

Fazit

 

Testen Sie gleich an der Ladentür das Glas und achten Sie auf Gewicht, Handlichkeit, Bedienungsfreundlichkeit, Ergonomie und optische Qualität. Unsere Tipps:

 

  • für gelegentliches Beobachten reicht ein Glas mit 7 x 42, 7 x 50 oder 8 x 42,
  • für leidenschaftliche Beobachter ist ein 10 x 40 oder 10 x 50 optimal
  • für Dämmerungstouren ist 8 x 56 vorteilhaft
  • für Bergtouren eignen sich Kompakt- und faltbare Taschenferngläser mit 8 x 25 oder 10 x 25
Fernglas
Foto: Pixabay Benjamin Nelan

Und so legen Sie los

 

Stellen Sie beide Okulare auf Ihren Augenabstand ein (knicken). Korrigieren Sie leichte Fehlsichtigkeiten mit der Dioptrienkompensation beim Blick auf einen fernen Punkt entweder am Okular oder Mitteltrieb.

 

Brillenträger blicken besser mit Brille durchs Fernglas und entfernen dazu die Okularblenden.

 

Zielanpeilung und schnelles Scharfstellen sind reine Routine und müssen trainiert werden - dann wird das Fernglas zum unentbehrlichen, nützlichen Helfer beim Beobachten.

Tipp 3: Am besten im Frühling. Nun keinen Frust: Jahreszeitlich am besten für eine Vogelbeobachtung geeignet ist der zeitige Frühling: Die Vögel balzen um einen Partner, grenzen ihre Brutreviere ab und sind sehr aktiv. Auch der Herbst ist Klasse. Dann kann man Glück haben und viele Vögel bei Durchziehen beobachten.

 

Der Spätsommer ist die denkbar ungünstigste Zeit. Die Vögel mausern und verstecken sich, tun möglichst wenig, um möglichst viel Energie zu sparen.

Spektive: Einäugiger Naturgenuss


Eine wertvolle Ausrüstungsergänzung ist ein Fernrohr beziehungsweise Spektiv. Mit ihm lassen sich ungestört Nester, an der Küste Watvögel oder auf Gewässern Wasservögel aus größerer Distanz beobachten. Schwierig zu bestimmende Arten sind leichter zu identifizieren. Für ambitionierte Vogelbeobachter ist ein Spektiv ein Muss und das „nah-dran-sein“ ein einmaliger Naturgenuss.


Je nach wählbarem Okular vergrößern Spektive 20- bis 60fach. Allerdings machen extreme Vergrößerungen oft wenig Sinn, denn die Bildqualität leidet darunter. Günstig und handhabbar ist eine 25- bis 30fache Vergrößerung.


Fantastische Möglichkeiten eröffnet die Fotografie mit Digitalkameras durchs Spektiv (Digiscopieren). Mit einem solchen Super-Teleobjektiv entstehen Fotografien von erstaunlicher Qualität.


Ohne Stativ geht es aber nicht. Je standfester und damit schwerer das Stativ, umso besser das Bild.



Quelle NABU: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/foto-film-optik/tipps/04869.html

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 12.06.2021 (MP)

Mauersegler gefunden

eulen nach heidelberg

NABU-Büro Heidelberg

Telefon 06221 / 600 705

info@nabu-heidelberg.de

Bei Notfällen: Artenschutz-Fachberater Thomas Hartmann Tel. 06226-78 40 85

Schutz des neckars

Zum Aktionsbündnis Unterer Neckar...

ICh will helfen

Sehen Sie unseren aktuellen Bedarf...

ich bin dabei

Mitglied werden

für Meinen NABU HD