Der NABU - Die Idee der Gründung kam

durch einen Anschlag am hiesigen schwarzen Brett

Von Claudia Zieboll

Eine vogelkundliche Exkursion 1952. Pressefoto NABU Mönchengladbach
Freude an Vögeln - eine vogelkundliche Exkursion 1952. Pressefoto NABU Mönchengladbach

Lina Hähnle, die „Mutter“ des größten deutschen Naturschutzverbandes, dem heutigen NABU, wurde bereits im Elternhaus für Schönheit und Werte der Natur sensibilisiert. Geboren am 3. Februar 1851 wächst sie im Schwabenland auf, heiratet den einflussreichen Fabrikanten und späteren Reichstagsabgeordneten Johannes Hähnle und zieht sechs Kinder groß. Neben ihren zwei stattlichen Haushalten – in ihrer Heimatstadt Giengen an der Brenz und in Stuttgart – richtet sie in Giengen eine Kinderkrippe für den Nachwuchs der Hähnle'schen Filzfabriken ein. Für diese Kinder kauft sie aus eigenen Mitteln eine Kuh und pachtet eine Wiese, damit die Kleinen in den schwierigen Zeiten der Inflation täglich einen Becher Milch bekommen.

Eine Einladung zu einem Vortrag in Heidelberg  1932
Eine Einladung zu einem Vortrag in Heidelberg 1932. Quelle: Jürgen M. Simon, BfV/DBV-Privatarchiv in Remseck

Aufruf an die Jugend zum Schutz der Vögel

Es ist in Heidelberg, wo im Jahr 1897 ein Aushang am Schwarzen Brett der Universität zum Auslöser für die Gründung des überregionalen Naturschutzbundes wird.

 

Lina Hähnles Sohn Otto studiert zu dieser Zeit Jura in Heidelberg, er liest den Aushang „Aufruf an die Jugend zum Schutz der Vögel“ von einem Rudolf Bergner aus Graz und informiert seine Mutter darüber. Zu diesem Zeitpunkt existiert in Österreich schon ein Vogelschutzbund mit 40.000 Mitgliedern.

 

Die Begegnung mit Rudolf Bergner motiviert Lina Hähnle, bereits bestehende lokale Vogelschutzvereine zu einem starken, einflussreichen Verband zusammenzuschließen.

Auszug aus einem Schreiben Lina Hähnles, das uns Jürgen M. Simon aus seinem BfV/DBV-Privatarchiv in Remseck neben vielen anderen historischen Dokumenten zur Verfügung stellte.

Der Gründung des „Bund für Vogelschutz e.V.“ ging voran:

Am schwarzen Brett der Universität Heidelberg war ein Aufruf angeschlagen von Rudolf Bergner - Graz, wodurch die Jugend zur Mithilfe im Vogelschutz aufgefordert wurde, was ich von Otto erfuhr. Schriftlich wandte ich mich sofort an R. Bergner und erhielt Drucksachen und Antwort, durch die er meine Mitarbeit erbat. Aus seiner Schrift ersah ich schon damals, dass der Mann hochgradig nervös war. Ich sammelte Mitglieder und wollte dieselben R. Bergner zuführen. Was aber nicht ging. Bergner bestürmte mich, in Deutschland einen ähnlichen Verein zu schaffen. Ich weigerte mich aber, weil ich nicht in die Öffentlichkeit treten wollte. Er schrieb:

 

„Ich gebe Ihnen mein Glücksrezept; ich komme und halte Vorträge für Sie,

bis Sie soweit sind, denn Sie müssen selbst hervortreten

und müssen einen deutschen Verein gründen“.


Der österreichische Verein hatte den Titel „Bund der Vogelfreunde“. Ich wollte denselben Titel und es waren schon einige Drucksachen-Aufrufe angefertigt. Bei der ersten Sitzung jedoch, der auch Onkel Reinhold beiwohnte, wurde vor allen Dingen der Titel umgeworfen, weil eine Verwechslung mit dem Stuttgarter und Württembergischen Verein der Geflügel- und Vogelfreunde befürchtet wurde.

Als ich nach Schluss der Sitzung gefragt wurde, was nun eigentlich geschehen soll, habe ich gesagt: „Vorerst ist Alles, was seither geschehen, umgeworfen.“ Von da an ging es dann glatt. Allerdings ist die Hilfe von Rudolf Bergner ausgeblieben, weil derselbe infolge der unsinnigen Angriffe und der Überarbeitung erkrankte und nach seinem Tod unter der neuen Leitung der ganz große Verein zerfiel...

"Reden kann ich nicht, aber arbeiten will ich alles, was kommt"

Lina Hähnle. Pressefoto NABU
Lina Hähnle. Pressefoto NABU

Am 1. Februar 1898 schreitet Lina Hähnle im Alter von 47 Jahren zur Tat und gründet in Giengen den „Schwäbischen Bund für Vogelfreunde“ (SBV). Bereits 1899 ruft sie in Stuttgart den „Bund für Vogelschutz“ (BfV) ins Leben.

 

Da keiner der damals anwesenden Ornithologen bereit ist, den Vorsitz zu übernehmen, tritt die Verbandsgründerin mit den Worten „Reden kann ich nicht, aber arbeiten will ich alles, was kommt“, kurzerhand das Amt selbst an.

 

Schnell wird ihr klar, dass erfolgreicher Vogelschutz nur über Bewahrung natürlicher Lebensräume funktionieren kann, und sie stellt sich auch dieser Herausforderung.

Lina Hähnle wächst in ihre Rolle hinein und geht darin auf. 38 Jahre führt und prägt sie den Verband auf bewundernswerte Weise, finanziell und ideell unterstützt von ihrem Ehemann.

Mit großem Engagement wirbt sie für Natur- und Artenschutz, hält Vorträge, mehrfach auch in Heidelberg, leitet Mitstreiter an, organisiert und führt eigenhändig Bestell- und Kassenbücher, sowie Mitgliederlisten mit über 6000 Einträgen. Diplomatisch und dennoch bestimmt vertritt sie ihre Sache in heißen Naturschutz-Diskussionen.

Bis ins hohe Alter sucht Lina Hähnle die Begegnung mit Menschen, um für achtsamen Umgang mit der Schöpfung zu werben. Mit ihrem Erfolgsrezept, einem günstigen Jahresbeitrag von 50 Pfennigen, gelingt es ihr, Tausende von Mitgliedern zu gewinnen.

Ein Jahresbeitrag von 50 Pfennigen
Ein Jahresbeitrag von 50 Pfennigen. Quelle: Jürgen M. Simon, BfV/DBV-Privatarchiv in Remseck

Ein weiterer großer Verdienst der „Vogelmutter“ ist die Abschaffung der Hutfedermode, bei der die Damen sich „mit fremden Federn schmückten“. Viele Millionen Vögel aus den internationalen überseeischen Kolonien, vor allem Paradiesvögel und Edelreiher, mussten für diese Unsitte ihr Leben lassen.

Als Lina Hähnle 1938 das Amt an ihren Nachfolger R. Wendehorst übergibt, zählt der Verband 40.000 Mitglieder. 42 Jahre nach Gründung des BfV, im Jahr 1941, stirbt Lina Hähnle zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag.

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 27.12.2016 (MP)

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