Feuersalamander am Heidelberger Schloss

Die auffälligen Nachtgeister sind "Lurch des Jahres 2016"

Text von Maike Petersen, Fotos von Christel Pietsch und Wilfried Münster

Ausgewachsene Feuersalamander. Foto: Christel Pietsch
Ausgewachsene Feuersalamander. Foto: Christel Pietsch

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) wirkt auf den ersten Blick wie eine sehr plumpe und ziemlich sonderbare Eidechse. Tatsächlich hat er mit denen aber wenig gemein: Feuersalamander sind Lurche, genauso wie Molche, Unken, Kröten und Frösche. Weil sie eine wasserdurchlässige Haut und kein Schuppenkleid haben, müssen sie im Feuchten leben, um nicht auszutrocknen. Dazu reicht ein strukturierter Waldboden mit vielen feuchten Stellen, es muss nicht unbedingt ein Gewässer sein. Nur zur Ablage der Larven brauchen sie richtig Wasser. Feuersalamander werden bis zu 20 Zentimeter lang und 40 Gramm schwer. Damit sind sie bei uns die größten Schwanzlurche. Alle haben – wie für Amphibien typisch – nur vier Finger.

Ein Fachmann kann zur Paarungszeit Unterschiede zwischen den Geschlechtern sehen. Ansonsten sehen Männchen und Weibchen gleich aus. In der Natur werden sie etwa 20 Jahre alt, in Gefangenschaft können sie auch 50 Jahre alt werden.

Immer nur so kalt oder warm wie die Umgebung

Da Feuersalamander ihre Körpertemperatur nicht regeln können, sind sie fast immer so warm wie ihre Umgebung. Wenn es zu kalt wird, wie jetzt im Herbst, begeben sie sich zur Winterruhe. Dabei kann es durchaus gesellig zugehen: In besonders geeigneten Felshöhlen findet man manchmal große Gruppen an überwinternden Tieren.

Vorsicht giftig!

Feuersalamander. Foto: Christel Pietsch
Foto: Christel Pietsch

Auffällig ist die schwarz-gelbe Farbe der Feuersalamander. Im Tierreich heißt diese Farbkombination immer: Vorsicht! Hinter den großen Augen und entlang des Rückens befinden sich Drüsen, mit denen das Tier eine weiße Flüssigkeit absondert, wenn man es bedroht. Beim Menschen kann sie auf Schleimhäuten ein leichtes Brennen verursachen. Nimmt aber ein Fressfeind wie eine Katze einen Feuersalamander ins Maul, führt dieses bei ihm zu starkem Speichelfluss bis hin zu Lähmungen. Das Tier macht es dann nicht ein zweites Mal… Dem Salamander hilft dieses Sekret, seine Haut von Pilzen und Bakterien frei zu halten.

Zwei Unterarten im Rhein-Neckar-Raum

Das gelbe Muster, nach dem der Feuersalamander benannt wurde, kann auch orangerot sein oder sogar fehlen. Sehr selten gibt es ganz schwarze oder sogar ganz gelbe Salamander. Das hängt davon ab, ob sie überwiegend auf hellem oder dunklem Boden leben. Die gelben Flecken können ein Punkt- oder ein Streifenmuster bilden. Danach unterscheidet man die zwei Unterarten, den gestreiften und den gefleckten Feuersalamander. Im Rhein-Main-Gebiet kommen beide vor, so auch am Heidelberger Schloss. Möglicherweise gibt es auch Mischformen.


Die Musterung eines ausgewachsenen Tieres bleibt ein Leben lang gleich und ist bei jedem Salamander anders. Fotografiert man verschiedene Tiere von oben, kann man sie dadurch gut auseinanderhalten.

Sie bringen lebendige Junge zur Welt

Feuersalamander-Larve. Foto: Christel Pietsch
Feuersalamander-Larve. Foto: Christel Pietsch

Anders als bei allen anderen hier vorkommenden Lurchen paaren sich die Feuersalamander an Land und gebären dann lebendige Junge. Nach etwa acht Monaten bringen die Weibchen im März je nach Größe und Alter 8 bis 70 Larven zur Welt. Bei ungünstigen Umwelt-Bedingungen wie schlechtes Wetter oder verschmutzte Teiche, können die Weibchen die männlichen Samen jahrelang aufbewahren und dann wie von alleine Junge zur Welt bringen.

Als Larve sieht ein Feuersalamander ganz anders aus!

Die kleinen Larven-Salamander sind noch grau-braun, etwa bis drei bis fünf Zentimeter lang, haben bereits richtige Beine und atmen mit äußeren Kiemenbüscheln. Sie sind sofort selbstständig. Im Unterschied zu den ähnlichen Molchlarven besitzen sie an jedem Beinansatz einen gelblichen Fleck. Die Larven fühlen sich in sauerstoffreichen Waldbächen wohl, aber auch in stehenden Kleingewässern. Hier verstecken sie sich unter Steinen, Wurzeln oder Fall-Laub. Sie fressen Wasserinsekten wie Eintagsfliegen, Steinfliegen, Zuck- und Kriebelmücken sowie Bachflohkrebse – auch mal eine Kaulquappe.


Je nach Außentemperatur wandeln sich die Larven innerhalb von drei bis sechs Monaten zu erwachsenen Tieren mit der typisch gelb-schwarzen Zeichnung. Die Kiemen verschwinden, und der Feuersalamander wird ein Lungenatmer.

Wie der Feuersalamander lebt

Eine rötliche Variante des Feuersalamanders. Foto: Wilfried Münster
Eine rötliche Variante. Foto: Wilfried Münster

Der Tag wird in guten Verstecken wie Felsritzen, Höhlen, Baumwurzeln, Steinhaufen oder Schächten verschlafen. Es sei denn, es regnet viel oder die Feuersalamander sind noch jung: Dann sind sie auch im Hellen aktiv. Ist das Versteck feucht und frostfrei, überwintert der Salamander dort auch. Die Winterruhe dauert von Oktober/November bis Februar. Sind bei uns die Winter mild, kann sie auch entfallen.


Nachts gehen die Lurche auf die Jagd nach Schnecken, Asseln, weichen Käfern, Regenwürmern, Spinnen oder Insekten. Die Beute wird entweder angesprungen oder mit den Kiefern oder der Zunge gepackt.

Heidelberger Top-Lebensräume

Eins der drei Wasserbecken am Heidelberger Schloss. Foto: Christel Pietsch
Eins der drei Wasserbecken am Heidelberger Schloss. Foto: Christel Pietsch

Feuersalamander findet man in feuchten naturnahen Laub- und Mischwäldern mit vielen Strukturen und Versteckmöglichkeiten. Wichtig ist natürlich immer, dass ein geeignetes Laichgewässer in erreichbarer Umgebung vorhanden ist. Gerne besiedeln sie Friedhöfe, die in Waldnähe liegen, wie den Bergfriedhof in Heidelberg. Beim Heidelberger Schloss finden sie aber geradezu ideale Bedingungen vor: alte Mauern, Gräben, Grotten und Keller, dazu schattige Hänge mit Baumbestand und dem Gartenbereich mit den drei Wasserbecken.

 

  • Am Heidelberger Schloss gibt es wahrscheinlich die in unserer Gegend größte Feuersalamander-Population.

Schutzmaßnahmen

Seit 1980 sind alle Amphibienarten in der Bundesartenschutzverordnung enthalten und stehen unter besonderen Schutz. Danach ist es verboten, Amphibien, deren Laich und Larven der Natur zu entnehmen, z.B. um sie in seinem Gartenteich anzusiedeln.


Wie kann man helfen?

  • naturnahe Forstwirtschaft (genügend Totholz als Versteckmöglichkeit)
  • Durchlässe unter Straßen in bewaldeten Gebieten oder in angrenzenden Bereichen
  • kein Befahren von Waldwegen in der Zeit von 20-7 Uhr, besonders im Frühjahr
  • Umforstung von den standortfremden Nadelholzforsten zu naturraumtypischen und strukturreichen Laub- und Mischwäldern durch die Forstwirtschaft
  • Erhalt von Höhlen und Stollen im Wald oder in Waldnähe
  • Sicherung bestehender und Wiederherstellung ehemaliger Laichgewässer
  • Fischwirtschaft in bewaldeten Quellregionen vermeiden

Meist profitieren durch solche Schutzmaßnahmen auch andere Amphibienarten,
wie beispielsweise der Bergmolch.

Mehr zum Feuersalamander finden Sie bei unserem Arbeitskreis Amphibien hier.

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: o2.09.2016 (MP)

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