Allgemeine Vogel-Soforthilfe

Was tun mit Ästlingen, Nestlingen und verletzten Vögeln?

Foto: Manfred Eimers
Foto: Manfred Eimers

Was soll man machen, wenn man ein hilfebedürftiges Küken findet?

 

Paragraph 45 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes erlaubt es, verletzten Tieren zu helfen, bis diese wieder in der Lage sind selbstständig zu leben. Es verbietet das Halten von besonders geschützten Wildtieren! Alle europäischen Vogelarten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt!


Menschlicher Kontakt bedeutet für Wildtiere immer Stress! Minimieren Sie Umgang, Transport und Berührungen.

Wichtige grundsätzliche Beobachtungen (werden Sie gefragt, wenn Sie sich telefonische Hilfe holen)

  • Jungvogel oder Altvogel?
  • Ist der Vogel am Körper befiedert oder nackt?
  • Nesthocker oder Nestflüchter (Dunen am Körper?)
  • Hat der Vogel schon Großgefieder (Schwanz- und Flügelfedern)?
  • Ist die Art bekannt (falls nicht nach Schnabelform, Gefiederfärbung, Größe und Fundort fragen, wenn möglich Foto schicken)?
  • Ist der Vogel offensichtlich verletzt (Flügel, Beine, Körper)?

Welche Vögel brauchen Hilfe?

  • Kaum bis gar nicht befiederte Jungtiere außerhalb des Nestes
  • Vögel außerhalb des Nestes, die nicht fliehen können
  • Offensichtlich verletzte Vögel
  • Vögel die von einer Katze gebracht werden (Antibiotika sind notwendig)
  • Nestflüchter (Enten,..) ohne Eltern
  • Jeder Mauersegler und jede Schwalbe, die am Boden liegt
Säbelschnäbler. Foto: Manfred Eimers
Säbelschnäbler. Foto: Manfred Eimers

Einen Überblick gewinnen

  • Bitte versuchen Sie sich erst einmal einen Überblick über die Lage zu verschaffen.
  • Nehmen Sie dazu den Jungvogel ruhig in die Hand und prüfen Sie ihn auf Verletzungen.
  • Ist er unverletzt, suchen Sie das Nest und setzen ihn, wenn möglich, zurück oder in einen benachbarten Strauch. Dort wird er mit Sicherheit von den Elternvögeln wieder gefunden, angenommen und versorgt. Niemand kann das besser als die Elternvögel selbst!
  • Nestflüchter können auch mal abseits der Altvögel unterwegs sein.
  • Küken vieler Arten (z. B. Amsel) springen bereits vor der vollständigen Flugfähigkeit aus dem Nest, das ist normal.
  • Nicht zu große Angst vor dem Fehlermachen: Einige Arten brüten bis zu viermal im Jahr und können Verluste ausgleichen.

Darf man Wildvögel anfassen?

  • Ja, man sollte ihn möglichst in sein Nest zurücksetzen (Nestlinge) oder geschützt ins Gebüsch (bei Ästlingen).
  • Heimische Vögel haben keinen ausgeprägten Geruchssinn.

Transport von Wildvögeln

  • Nehmen Sie einen kleinen, verschließbaren Karton mit Luftlöchern. Dieser sollte mit Handtüchern oder Küchenpapier ausgelegt sein und der Vogelgröße angepasst sein. Der Vogel sollte sich nicht allzu sehr bewegen können, damit er beim Transport nicht herumgeschleudert wird.

Erstversorgung von Wildvögeln

Foto: Manfred Eimers
Foto: Manfred Eimers
  • Bei Jungtieren oder unterkühlten Vögeln (im gesunden Zustand ist der Vogel immer etwas wärmer als die eigene Haut) immer zuerst wärmen – bei Küken und kleinen Singvögeln geht das gut in der Hand oder am eigenen Körper, ggf. Wärmelampe, Wärmekissen (Vogel muss aber Möglichkeit haben sich aus der Wärmequelle herauszubewegen).

  • Völlige Ruhe ist für den Vogel notwendig.
  • Nach ca. 30 Minuten Aufwärmen können Sie dem Vogel 1–3 Tropfen Traubenzuckerwasser an den Schnabelrand tropfen (der Vogel wird es einsaugen); dies ist zunächst ausreichend.
  • Altvögel, bei denen der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung besteht (Anflug an Glasscheibe etc.), niemals wärmen – Gefahr der Hirnblutung.
  • Fütterung eines Jungvogels nicht ohne Sachkunde, junge Vögel reagieren sehr empfindlich auf falsche Nahrung – dies kann sehr schnell ein Todesurteil sein! Jungvögel wissen es nicht besser und fressen auch falsche Nahrung!

Unterbringung von Nestlingen (unbefiederte Küken)

  • Zunächst wärmen und warm halten – Küken dürfen niemals auskühlen, am besten funktioniert das mit einer Wärmflasche oder einem Körnerkissen. Temperatur ca. 37 Grad
  • Verletzungsgeschützt unterbringen; am besten in einer kleinen Schlüssel die mit Handtüchern und Küchenpapier ausgelegt ist und die man mit einem anderen Handtuch abdecken kann, dieses Ersatznest sollte man zu Sicherheit in einen ausbruchsicheren Karton stellen.
  • Unbefiederte Küken trocknen sehr schnell durch die Haut aus, daher ist es sinnvoll, die Luftfeuchtigkeit etwas zu erhöhen.
  • Befiederte Küken dürfen auch niemals auskühlen, eine zusätzliche Wärmequelle ist aber nicht unbedingt erforderlich.
  • Das Küken in eine mit griffigem Material (z. B. Wollsocken) ausgelegte Schüssel setzen. Schüssel in Karton setzen.
  • Ein Handtuch über dem Karton beruhigt das Tier.
  • Traubenzuckerlösung an den Schnabel geben; aber nicht eigenständig füttern.

Unterbringung von Ästlingen (flügge Küken)

  • Klassischer Vogelkäfig (Ausnahme Mauersegler und Schwalben wegen der Gefahr von Gefiederschäden und generellen Verletzungen) das Küken in eine mit griffigem Material (z.B. Wollsocken) ausgelegte Schüssel setzen.
  • Karton, der an einer Seite mit Fliegengaze abgedeckt ist.

Greifvögel und Eulen

  • Zunächst den Vogel beobachten, ob er sich von selbst wieder entfernen kann.
  • Fangen Sie den Greifvogel nur geschützt mit Handschuhen ein, um selbst nicht verletzt zu werden.
  • Werfen Sie eine Decke oder Jacke über den Vogel und greifen Sie ihn dann am Körper von oben. Kommen Sie dabei nicht mit den Fängen (Krallen) in Berührung.
  • Setzen Sie ihn in einen ausreichend großen Karton, in dem sie zuvor Luftlöcher gemacht und eine Zeitung (wegen der möglichen Kotabgabe) gelegt haben. Bitte wegen der Verletzungsgefahr an Stäben und Draht keine Käfige benutzen!
  • Bringen Sie den verletzten Greifvogel möglichst schnell zur sachgerechten Pflege in unsere Station oder verständigen Sie den NABU Heidelberg. Die ersten 3–4 Stunden sind zu seiner Rettung entscheidend!

Adressen von Auffangstationen

  • Greifvogelpflegestation: Finkenschlag, 74177 Bad Friedrichshall, Tel./Fax: 07136-912414, Notfall Hotline: 0171-216 13 85 oder 0160-978 779 37, Email: info@greifvogelpflege.de, Internet: http://www.nabu-badfriedrichshall.de/greifvogelpflegestation-bad-friedrichshall/
  • Auffang- und Auswilderungsstation Steven Foerster: Rotterdamerstraße 5, 68219 Mannheim, Tel.: 0621-801 95 14
  • Die Auffangstation des Deutschen Falkenorden Baden-Württemberg in Karlsdorf-Neuthard: In dringenden Fällen haben Sie jederzeit die Möglichkeit sich an Herrn Rudolf Manz zu wenden: Tel: 07251-4743, Mobil: 0151-23260704

 

Steinkauz. Foto: Manfred Eimers
Steinkauz. Foto: Manfred Eimers

Wichtige Adressen allgemein

Alle Vögel

  • Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof: Nonnenhof 11 (Heyl'sches Landgut), 67240 Bobenheim-Roxheim, Ansprechpartner/Stationsleitung: Frau Keller, Mobil: 0179/1974645, Internet: http://www.wvas-nonnenhof.de/, Entfernung HD: 50 km, ca. 45 Minuten mit dem Auto
  • UNA (Union für das Leben e. V.) Tierrettungsleitstelle – Bundesweite Tierrettungsleitstelle 24-h-Notruf: 0700-952 952 95, http://www.tierrettungsdienst.eu/index.html

Mauersegler

Seltenere Vögel

  • NABU-Walldorf: Am Fischgrund 3, 69190 Walldorf, Kontakt: Ulrich Schmidt, Tel. 06227-1225.
  • NABU-Vogelschutzzentrum: Ziegelhütte 21, 72116 Mössingen, Tel.: 07473-1022, E-Mail: info@nabu-vogelschutzzentrum.de, Internet: http://www.vogelschutzzentrum.de/front_content.php

Greifvögel

  • Greifvogelpflegestation: Finkenschlag, 74177 Bad Friedrichshall, Tel./Fax: 07136-912414, Notfall Hotline: 0171-216 13 85 oder 0160-978 779 37, Email: info@greifvogelpflege.de, Internet: http://www.nabu-badfriedrichshall.de/greifvogelpflegestation-bad-friedrichshall/
  • Auffang- und Auswilderungsstation Steven Foerster: Rotterdamerstraße 5, 68219 Mannheim, Tel.: 0621-801 95 14
  • Die Auffangstation des Deutschen Falkenorden Baden-Württemberg in Karlsdorf-Neuthard: In dringenden Fällen haben Sie jederzeit die Möglichkeit sich an Herrn Rudolf Manz zu wenden: Tel: 07251-4743, Mobil: 0151-23260704

Jagdbare Arten

  • Jagdpächter ist zu informieren (auch bei toten Tieren)
  • an zuständige Polizeidienststelle verweisen (dort liegen Adressen der Jagdpächter vor Untere Jagdbehörde Stadt Heidelberg: Herr Gärtner 06221-5828030)
  • im Einzelfall auch Veterinäramt

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 22.06.2016 (MP)

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