Maikäfer – Massenvermehrungen am Oberrhein

Text von Maike Petersen

Maikäfer an Zweig
Bild: mkoziol/Pixabay

Ein sonniger Maitag im Lorscher Wald: Frisch leuchtet das Grün der Eichen. Es ist still und friedlich, nur ein ganz leises Rieseln ist zu hören. Was da rieselt, sind die kleinen Kotkügelchen abertausender Maikäfer. Dicht an dicht hängen die großen braunen Käfer in den Eichenästen, fressen vor sich hin und verdauen.

Ab und zu verliert einer der Käfer das Gleichgewicht oder ein Windhauch weht ihn vom Baum. Dann plumpst das Tier auf den Boden und landet meist auf dem Rücken. Hilflos zappeln die sechs Beinchen in der Luft und es dauert eine Weile, bis der Maikäfer sich gedreht hat. Ein paar Sekunden später beginnt der Käfer mit den Flügeln zu pumpen und erhebt sich schließlich schwerfällig in die Luft. Ein kurzes Stückchen nur fliegt er brummend, bis zum nächstgelegenen Ast, und sofort ist Weiterfressen angesagt.“


Quelle: NABU

Verbreitungsmaximum in der Rhein-Main-Ebene

Dass man den Maikäfer bei uns noch viel sieht, liegt auch daran, dass wir dort wohnen, wo sein deutsches Hauptverbreitungsgebiet liegt: Der Waldmaikäfer und der Feldmaikäfer kommen besonders in der nordbadischen und südpfälzischen Rheinebene sowie der hessischen Rhein‐Main-Ebene vor. Ein Maikäfer ist hauptsächlich eine Larve im Boden, daher ist dieser für den Käfer wichtig: Sie mögen hiesige trockene, lockere Sandböden, besiedeln gelegentlich auch lehmige oder tonige Böden.


Alle 30 bis 45 Jahre kommt es zu Maikäfer-Massenvermehrungen.

Feld-, Wald- oder Gartenmaikäfer?

Maikäfer
Bild: Kathy Büscher/Pixabay

Der Maikäfer wird bis zu 25 mm groß und ist braungefärbt. An den Seiten besitzt er charakteristische weiße dreieckige Flecken.
Beim Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) ist das Halsschild meist schwarz, selten bräunlich. Die Hinterleibsspitze verjüngt sich gleichmäßig. Bei Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) ist das Halsschild bräunlich, selten schwarz. Die Hinterleibsspitze ist kürzer und verjüngt sich abrupt.


Die äußerliche Unterscheidung der Arten ist aber sehr schwierig und besser einem Fachmann/einer Fachfrau vorbehalten. Auch ist die Lebensraumwahl der Tiere nicht ihrem Namen folgend konsequent: Der Feldmaikäfer bevorzugt zwar im Gegensatz zum Waldmaikäfer unbewaldete Habitate und legt seine Eier in offenes Gelände, während die Waldmaikäfer in der Nähe ihrer Fraßbäume verbleiben. Beide Arten können aber in aufgelichteten Altholzbeständen oder an Waldrändern vorkommen.


Die dritte Maikäferart Deutschlands ist der wärmeliebende, nur im Südwesten vorkommende Gartenmaikäfer (M. pectoralis). Er sieht aus wie eine kleine Ausgabe des fast doppelt so großen Feldmaikäfers mit braunen Flügeldecken und grün-metallischem Brustpanzer. Der Gartenmaikäfer liebt sandigen Boden und Rasenwurzeln. Weil sie erst ab Ende Mai schwärmen, heißen die Käfer auch landläufig und uneindeutig „Junikäfer“ kommt.


Im Folgenden ist nur von „dem Maikäfer“ die Rede, was sich zumeist auf den Feldmaikäfer bezieht.

Drei- bis vierjährige Entwicklungszeit

Die Entwicklung eines Maikäfers im Larvenstadium dauert drei Jahre, in unseren Breiten eher vier Jahre. Die Lebenserwartung eines Käfers dagegen beträgt vier bis sechs Wochen. Die meisten Maikäfer sterben nach der Paarung und Eiablage, die Weibchen können auch länger überleben.

Larvenfraß

Engerlinge
Bild: benmenting/Pixaby

Alle Maikäferarten besitzen drei Larvenstadien, der größte Fraßschaden entsteht im dritten Stadium. Dabei sind die Larven, die man Engerlinge nennt, nicht sonderlich wählerisch, gedeihen aber besonders gut bei krautigen Pflanzen wie Löwenzahn, Ampfer und Schafgarben, bestimmten Gräsern und Hölzern.

 

Die erste Überwinterung erfolgt im zweiten Larvenstadium. Sobald die Bodentemperatur über 7 °C liegt, beginnen die Larven zu fressen und können sich dabei mehr als einen halben Meter durch das Erdreich robben. Im Spätsommer folgt die Häutung zur dritten Larve. Nach der zweiten Überwinterung verpuppen sich die Larven in einer sicheren Puppenkammer.

Kritische Situationen in Wäldern

In unseren bereits klimagestressten Wäldern werden regelmäßig Bodenproben genommen, um herauszufinden, wie weit die Engerglinge aktuell entwickelt sind und wann wieder ein Massenschlupf bevorsteht. Probebohrungen in den Befallsgebieten um Mannheim ergaben regelmäßig mehr als 100 Engerlinge auf den Quadratmeter. Bereits ab zwei bis drei Engerlingen je Quadratmeter Waldboden sind Schäden an Jungbäumen zu befürchten. Auch Douglasien sind besonders gefährdet: Sie wachsen nur langsam und ihre Wipfel sterben ab.


In Südhessen und Nordbaden wird 2022 wieder ein (Wald-)Maikäferjahr erwartet.


Biologische Bekämpfungsmittel zum Schutz des Waldes sind stark umstritten. Dazu werden z. B. der natürlicherweise den Waldmaikäfer krankmachende Pilz Beauveria brongniartii eingesetzt, Fadenwürmer (Nematoden) und ein aus Samen des Neembaumes (Azadirachta indica (L.) Adelb.) gewonnenes Extrakt.

Das Leben als Käfer – fressen und sich paaren

Wussten Sie, dass die fertigen Käfer bereits im Herbst schlüpfen und dann bis zum folgenden Mai in ihrer „Puppenwiege“, einer kleinen sicheren Höhle bis zu einem Meter tief im Boden, verbleiben.

 

Spielt dann das Wetter mit, schlüpfen oftmals alle Käfer gleichzeitig. Der April 2021 war so kalt, dass die Käfer lange im Boden blieben und dann im Mai nahezu alle auf einen Schlag schlüpften. Optimal für den Schlupf sind trockene, mindestens 12° C warme Tage und eine Temperatur von ca. 10 °C in einer Bodentiefe von 25 cm Tiefe.


So ein Massenschlupf hat im kurzen Käferleben den Vorteil, einer Vielzahl an Partnern und Patnerinnen zu begegnen. Überregional gibt es hier aber keine Taktung; Maikäfer in Bayern, Hessen oder Sachsen schlüpfen oft in unterschiedlichen Jahren.


Kaum geschlüpft, beginnt ein Maikäfer sofort mit dem Fressen und wird dieses auch für den Rest seines Lebens tun (Reifungsfraß). Feldmaikäfer gehen dabei gerne an Obstbäume, während Waldmaikäfer Eichen, Buchen und Hainbuchen bevorzugen, bei Nahrungsmangel aber auch an Nadelbäume wie z. B. Lärche und Fichte gehen.


Im Gegensatz zum Wurzelfraß der Engelinge, erhohlen sich die meisten kahl gefressenen Bäume wieder und bilden mit dem so genannten Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter.

Geschützte Art?

Startender Maikäfer
Bild: mkoziol/Pixabay

Der Maikäfer ist als Art nicht geschützt. Aufgrund von chemischen Insektiziden wie DDT ging der Maikäferbestand seit ca. 1960 zurück, erholte sich aber wieder. Chemische Bekämpfungsmittel gegen Maikäfer sind zur Zeit in Deutschland nur bei drohendem Massenbefall zugelassen.

 


Freuen wir uns über diese auffällige Art und ihren faszinierenden Lebenszyklus!



Übrigens: Maikäfer sind keine guten Flieger und gehen dabei eher torkelig vor. Bevor sie mühsam abheben, müssen sie erst mit ihren Flügeln pumpen.

 

Quellen:

 

Umweltbundesamt https://www.umweltbundesamt.de/maikaefer#naturliche-feinde
NABU: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/kaefer/01263.html

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 20.06.2021 (MP)

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