Der Stieglitz und die "Bunten Meter für Deutschland"

Neue NABU-Hauptaktion für das Jahr 2016

Der Stieglitz wurde vom NABU Deutschland zum Vogel des Jahres 2016 gewählt.

Stand der Habicht im vergangenen Jahr stellvertretend für den Kampf gegen die illegale Greifvogelverfolgung, haben wir mit dem Stieglitz im Jahr 2016 wieder einen klassischen Singvogel.

Foto: NABU Peter Kühn
Foto: NABU Peter Kühn

Der Stieglitz: Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrarräumen

Von Corinna Heyer

Stiglit“ oder „Didelit“ – wenn man diese Laute vernimmt, ist der Stieglitz nicht weit entfernt. Genau diesen typischen Rufen verdankt er seinen Namen. Der farbenprächtige Vogel ist auch aus der Distanz gut zu erkennen: Das Kopfgefieder ist rot, weiß und schwarz. Die schwarzen Flügel haben weiße Flecken und eine leuchtend goldgelbe Binde.

 

Der Stieglitz gehört damit nicht nur zu den buntesten Singvögeln Europas – er liebt es auch bunt und vielfältig. Den idealen Lebensraum stellen dabei stark gegliederte, blütenreiche Landschaften dar, in denen sich Wälder oder Heckenzuge mit offenen Flächen abwechseln. Sie bieten ihm neben einem reichlichen und vielfältigen Nahrungsangebot auch genügend Brutplätze.

Starker Bestandsrückgang

Doch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und die Bebauung von Brachflächen rauben dem Stieglitz die Nahrungs- und Lebensgrundlagen. Das ist auch der Grund für die Wahl des Stieglitzes zum Vogel des Jahres. NABU und LBV wollen damit den fortschreitenden Strukturverlust in unserer Kulturlandschaft ins Blickfeld rücken: Der Stieglitz ist DER Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrarräumen und Siedlungsbereichen.

 

Für den Jahresvogel wird es in Deutschland inzwischen eng: Der Bestand des Stieglitzes hat in Deutschland gemäß Daten des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen.


Aufgrund der Strukturarmut im Agrarraum leben heute knapp 60 % des bundesweiten Bestandes (man schätzt 305.000 bis 520.000 Brutpaare) im Siedlungsraum, die restlichen 40 % im Agrarraum. Bäuerliche Siedlungen mit Obstbaumkulturen auf blumenbunten Wiesen, „wilde“ Ecken und extensiv gepflegte Wegränder können ihm hier das ganze Jahr hindurch einen reichlich gedeckten Tisch bieten. Doch auch hier wird „Wildwuchs“ immer häufiger entfernt.

Nahrung und Jungenaufzucht

Foto: NABU Frank Derer
Foto: NABU Frank Derer

Der Stieglitz ist ein echter Feinschmecker und dabei Vegetarier. Er frisst halbreife oder reife Samen zahlreicher Stauden, Gräser und Bäume. Bislang wurden bereits über 150 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen. Während viele andere körnerfressende Vögel für die Jungenaufzucht auf Insekten umsteigen, füttern Stieglitze ihren Nachwuchs vor allem mit Pflanzensamen.

 

 

Schutzmaßnahmen

 

Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarverordnungen und -Förderinstrumente den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen stoppen. Doch auch vor Ort gibt es viele Möglichkeiten, die Landschaft für den Distelfinken wieder bunter zu gestalten: Schon kleine ungenutzte Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern können dazu beitragen. Hier kann jeder selbst aktiv werden.

Bunte Meter für Deutschland

Bei diesem neuen, bundesweiten NABU-Projekt geht es genau darum, möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel zu schaffen oder zu erhalten. Das kann im eigenen Garten geschehen oder auch in Zusammenarbeit mit Gemeinden oder Landwirten. Auch der NABU Heidelberg möchte hier gerne aktiv werden. Wer Ideen für "Bunte Meter" hat, meldet sich bitte bei heyer@nabu-heidelberg.de

  • Das Video zeigt auf sehr einfache Art und Weise, warum der Stieglitz aus seinen angestammten Lebensräumen fliehen muss.



Weitere Stieglitz-Informationen unter:
www.vogel-des-jahres.de


Melden Sie "Bunte Meter" und erfahren Sie mehr zu unserer Hauptaktion "Bunte Meter für Deutschland" unter: www.buntemeter.de

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 19.12.2015 (MP)

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