Wo die Höswurz wächst, das Mankei grüßt

und der Steinadler seine Kreise zieht

28.-31. Juli 2016 auf der Douglasshütte im Rätikon (Vorarlberg)

Text und Fotos von Sebastian Olschewski

Für uns sollte es ein Experiment werden! Hierfür war zu Beginn des Jahres 2016 allerdings erst einmal Schnelligkeit gefragt, da die begrenzte Anzahl an Teilnehmerplätzen in Windeseile vergeben war – 40 Wanderlustige hatten schlussendlich das Glück, Volkers begehrter Alpenexkursion beiwohnen zu dürfen.

Türkenbundlilie
Türkenbundlilie

Das Experiment bestand für uns darin, mit Kind und Kegel die botanischen, faunistischen und kulinarischen Besonderheiten des Rätikons zu erkunden. Und immer mit dabei – Selma mit ihren 9 Monaten. Ob das gut geht?


Die gemeinsame Zugfahrt ab Heidelberg verlief bis auf eine kleine Portion Nervenkitzel aufgrund von Zugverspätungen und verpassten Anschlusszügen optimal. Pünktlich zur letzten Bergfahrt konnten Aufstiegsfaule die Seilbahn nutzen und Aufstiegswillige ihr Gepäck mit derselben hochchauffieren lassen.


Bereits der Aufstieg bot grandiose Aussichten und botanische Kostbarkeiten: Neben verschiedenen Händelwurz-Arten, Eisenhüten, Augenwurz, Wintergrün und Brillenschötchen begeisterte allen voran die Vielfalt an verschiedenen Blütenpflanzen, die zwischen den Latschen aufblitzten.

Schesaplanastoc
Schesaplanastock - die wahre Königin

An der Hütte angekommen, wurden mehr oder weniger schnell die Zimmer verteilt und gemeinsam zu Abend gegessen. Einige ließen es sich nicht nehmen und erkundeten vor oder nach dem Essen die nähere Umgebung. Ein leicht erwanderbares Wegenetz erschließt die Landschaft rund um den Lünersee – optimal auch für weniger Geübte oder Genusswanderer. Vor der wohlverdienten Nachtruhe wurden die Köpfe über den ausgebreiteten Wanderkarten zusammengesteckt – tolle Touren standen zur Auswahl. Wird die Schesaplana, mit knapp 3000 m die Königin unter den umliegenden Gipfeln, bereits morgen bezwungen? Oder doch lieber der anspruchsvolle Saulakopf?

 

Auch ein Abstecher in die Schweiz rund um die Kirchlispitzen wäre ein lohnendes Ziel. Müde vom Tourenplanen und mit der Gewissheit einen erlebnisreichen Wandertag vor sich zu haben, fielen alle in die Hüttenbetten.

Die Weiße Höswurz
Die Weiße Höswurz

Der nächste Tag begrüßte uns zunächst mit dicken Wolken- und Nebelschwaden, die sich nach einem stärkenden Frühstück jedoch nach und nach verzogen. Einige Wagemutige starteten nach einer kurzen gemeinsamen Einführung von Volker in die hiesige Botanik über die Totalphütte zur Schesaplana.


Wir schlossen uns einer Gruppe von 10 Gleichgesinnten an und planten einen Rundweg über das Saulajoch zur Heinrich-Hueter-Hütte. Auf herausfordernden Bergpfaden wurden wir mit einer grandiosen Alpenflora belohnt: Wundklee, Türkenbundlilie, Katzenpfötchen, Knöllchenknöterich, Schwarzes Kohlröschen und – in einem Teppich aus Borstgras – die anmutige Weiße Höswurz, eine seltene Orchidee!

Nahe der Heinrich-Hueter-Hütte segelten in einiger Entfernung die Könige der Lüfte – zwei Steinadler spähten nach ihrer Leibspeise, den Murmeltieren (im Volksmund auch Mankei genannt).

 

Über das Gipsköpfel ging es zurück zur Douglasshütte, in der wir bei einem zünftigen Buffet wieder Kraft für den nächsten Tag auftankten. Nach dem Abendessen wurden die tollen Erlebnisse des Tages geteilt, das Gesehene dokumentiert oder bei Gerstensaft ausgelassen gespielt, bevor die Hüttenruhe einkehrte.

Am zweiten Tag sollten unsere Waden nochmals ordentlich gefordert werden. Einige aus der Gruppe fanden sich zusammen, um den Saulakopf zu besteigen, von dem sich eine grandiose Aussicht bieten soll. Wir entschieden uns zu einer Rundtour über die Grenze in die Schweiz, unter die steilen Felswände der Drusenfluh.

Der Drusenfluh
Der Drusenfluh

Nach der ersten Stunde entlang des Lünersees führte uns der Wanderpfad über grüne Matten, unter den wachsamen Augen der Murmeltiere, empor zur Schweizer Grenze. An den Südhängen der Kirchlispitzen gaukelten die Schmetterlinge von Blüte zu Blüte. Auch der alpine Blindpunkt-Mohrenfalter erfreute uns Wanderer. Über eine kleine, für einige herausfordernde Kletterpassage ging es hinauf zum Schweizer Tor und zurück Richtung Lünersee. Zuvor bot sich aber noch eine atemberaubende Aussicht auf den Schesaplanastock. Zurück in der Hütte wartete schon ein üppiges Abendessen auf uns, bevor wir zufrieden und erschöpft die Hüttenruhe herbeisehnten. Die Berichte der Saulakopf-Bezwinger über die Beobachtung eines fütternden Mauerläufer, der fliegenden Alpenrose, machten uns Lust auf viele weitere Entdeckungstouren im Rätikon. Einige Nimmermüde frönten noch einer zünftigen Hüttengaudi und feierten bis spät in die Bergnacht.

Am letzten Tag hieß es Abschied nehmen von der bezaubernden Bergwelt des Rätikons. Das zweitweise nasse Wetter machte den Abschied zwar nicht viel leichter, die vielen unvergesslichen Eindrücke jedoch verkürzten uns die Zugfahrt zurück nach Heidelberg.


Abschließend lässt sich resümieren: Experiment geglückt –nicht nur  Selma war von der Tour begeistert. Auch mit Kind und Kegel sind die Alpenexkursionen des NABU Heidelberg ein tolles Erlebnis. Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Volker Violet für die Organisation und Durchführung der Tour!

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 06.09.2016 (MP)

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