Mulchen im Naturgarten

Text und Fotos von Heidemarie Wolter

In einem Naturgarten gilt die unausgesprochene Regel, dass der Boden den Himmel nicht sehen darf.


Warum das so ist? Ein Boden der „nackt“ daliegt, also keine schützende Bodendecke hat, trocknet schnell aus und wird durch den Wind abgetragen. Zusätzlich wird die Humusschicht verschlämmt, d.h. die fein-krümelige Struktur des Humus wird durch den Regen zerstört und hinterlässt eine harte Erdkruste, durch die nur noch wenig Luft in den Boden hineingelangen kann.

Aus diesen Gründen hat man sich in einem Naturgarten die Natur als Vorbild genommen: Hier gibt es keine nackte Erde, da der Boden immer von organischem „Abfall“, z.B. einer Laubdecke oder von einem Teppich aus Pflanzen, überzogen ist.


Was in der unberührten Natur von selber geschieht, muss in einem von Menschen angelegten Stückchen Land, wie einem Naturgarten, der Gärtner besorgen: Er breitet das Mulchmaterial als lockere Decke auf den Beeten aus und achtet darauf, dass keine nackte Erde zurückbleibt.

Aber woher bekommt der Gärtner das Material zum Mulchen? Ganz einfach – aus dem eigenen Garten:

  • Rasenschnitt fällt in jedem Garten zwangsläufig beim Mähen an. Wichtig bei der Nutzung als Mulch ist, dass das geschnittene Gras nur maximal 3 cm dick auf die Beete aufgetragen wird.
  • Pflanzenschnitt, z.B. Gemüse, Kräuter, aber auch Pflanzen, die häufig als Unkraut bezeichnet werden, wie z.B. Brennnessel und Beinwell, können bis kurz vor der Samenreife verwendet werden. Gut zerkleinert liefern sie ein hervorragendes Mulch-Material. Ihre Inhaltsstoffe wirken nicht nur wohltuend auf den Boden und die darin lebenden Organismen, sondern auch direkt auf die Pflanzen, die von dieser Mulchschicht umgeben sind.
  • Laub fällt im Herbst sehr viel an und kann vor allem unter Sträuchern und Hecken als natürliche Bodendecke genutzt werden (nebenbei dient es hier auch als Überwinterungsquartier z.B. für Igel). Auf den Beeten sollte Laub dünn (maximal 1,5 cm) aufgebracht werden.
  • Stroh wird vor allem zur Abdeckung zwischen Erdbeerreihen verwendet. Durch das Stroh wird der direkte Kontakt der Erdbeeren mit dem Boden vermieden, was Pilzinfektionen verhindert.
  • Gründüngung ist, wie der Name schon sagt, eigentlich eine Düngemethode, die aber auch als Bodenbedeckung – sogar in zweifacher Form – genutzt werden kann. Vor der Neuanlage eines Beetes werden geeignete Pflanzen, z.B. Senf, Raps und Lupinen ausgesät. Die wachsenden Pflanzen bilden so die erste, lebende Bodendecke. Kurz vor der Blüte werden die Pflanzen dann gemäht, zerkleinert und an Ort und Stelle über den Winter als Mulch, der zweiten Bodenbedeckung, liegen gelassen. Im Frühjahr wird das Material grob in die Erde eingearbeitet und nach weiteren zwei Wochen kann dann mit der Bepflanzung des Beetes begonnen werden.
  • Halbreifer Kompost / Mulchkompost ist Kompost, dessen Rotteprozesse noch nicht abgeschlossen sind, d.h. das organische Material wurde noch nicht vollständig abgebaut. Als Mulch auf die Beete aufgebracht erfüllt es aber alle Vorteile einer Bodendecke und regt darüber hinaus, durch die starke Aktivität der im Kompost befindlichen Organismen, die Aktivität der im Boden lebenden Organismen an. (Weitere Informationen über Kompost lesen Sie im entsprechenden Eintrag.)

„Ist das denn alles tatsächlich nötig?“ mag sich jetzt mancher fragen, „Ich möchte eigentlich einen ordentlich aussehenden Garten haben, mit schön durchgeharkten Beeten. Überall herumliegendes Gras, Schnittgut und Laub wirkt nicht besonders ordentlich. Außerdem hört sich das Ganze auch sehr zeitintensiv an.“

Natürlich wird eine Mulchschicht niemals so ordentlich und aufgeräumt aussehen wie säuberlich geharkte Beete, obwohl natürlich auch beim Mulchen darauf geachtet wird, dass die Bodendecke nicht wahl- und achtlos auf den Beeten verteilt wird.


Außerdem bietet eine Mulchschicht, neben den Vorteilen für den Boden und dessen Organismen (Schutz vor Austrocknung, Verschlämmung und Abtragung durch Wind, geringere Verdunstung durch die Isolationswirkung der Bodendecke und erhöhte Bodenfruchtbarkeit, weil die Bodenlebewesen kontinuierlich mit organischem Material versorgt werden) auch erhebliche Vorteile für den Gärtner:

  • das Harken entfällt, weil der Boden bzw. die Humusschicht locker und krümelig bleib,
  • das Jäten entfällt, weil Unkraut unter der Mulchdecke quasi „erstickt“ wird
  • es muss weniger gegossen werden, da die Flüssigkeit durch die bereits erwähnte Isolationswirkung der Mulchdecke im Boden verbleibt (auch an sehr heißen Tagen),
  • es muss nicht mehr bzw. nur noch wenig gedüngt werden, weil die Bodenlebewesen reichlich Nährstoffe aufgrund des ständig zur Verfügung stehenden organischen Materials produzieren.

Mulchen ist also nicht zeitintensiver als die akkurate Pflege von Beeten (mit Durchharken, Jäten, etc.). Ganz im Gegenteil: Man wird sogar für seine „Mühen“ belohnt, indem, durch die oben genannten Vorteile, mehr Zeit bleibt, um den Garten zu genießen.



Quellenangaben:
Boomgaarden H., Oftring B., Ollig W. (2011): Natur sucht Garten, Eugen Ulmer KG, Stuttgart
Kreuter M.-L. (2000): Der Biogarten, 20. Auflage, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München
Oftring B. (2013): Der Naturgarten, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München.







Letze Aktualisierung: 18.11.2015 (MP)

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