Workshop „Auenlandschaft Unterer Neckar“

Der Neckar und seine umgebende Aue – weit mehr als eine Wasserstraße

Birgit Bieman erläutert den Teilnehmern nahe der Anlegestelle in Ladenburg, dass hier Feuchtwiesenbereiche durch „Auslichtungen“ nahzu vollständig entfernt und verarmt wurden. Foto: Thomas Hartmann
Birgit Bieman erläutert den Teilnehmern nahe der Anlegestelle in Ladenburg, dass hier Feuchtwiesenbereiche durch „Auslichtungen“ nahzu vollständig entfernt und verarmt wurden. Foto: Thomas Hartmann

Viele Abschnitte unserer Flüsse, auch des Neckars, wurden im letzten Jahrhundert kanalisiert, ausgebaggert und eindeicht, ihre natürlichen Ufer immer mehr verbaut. Dies hat zur Folge, dass es nach Starkregen häufig zu Hochwasser kommt und der Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere der Aue reduziert wurde. Der Schutz der verbliebenen Auengebiete ist deshalb heute wichtiger denn je.

Fischadler
Graureiher beobachtet das vorbeifahrende Schiff. Foto: Thomas Hartmann

Um dies zu belegen und Maßnahmen zum Schutz des Unteren Neckars und seiner sensiblen Flussaue zu diskutieren, trafen sich Anfang Dezember 2018 Vertreter der Naturschutzverbände sowie kommunale Umweltberater und Bürgermeister der Region mit Fachleuten vom Aueninstitut in Rastatt und vom Regierungspräsidiums in Karlsruhe zu einem Workshop über die „Auenlandschaft Unterer Neckar“.

Natur als Ressource

Eingeladen hatte das Aktionsbündnis Unterer Neckar, ein Zusammenschluss aus Mitgliedern des Naturschutzbundes (NABU), des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Landesnaturschutzverbandes (LNV) und engagierten Bürgern.

 

Die im Aktionsbündnis vertretenen Naturschützer haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese einzigartige Auenlandschaft zwischen Heidelberg und Mannheim nicht nur für Biber, Eisvogel und die anderen darin lebenden Tiere und Pflanzen zu erhalten, sondern auch für uns Menschen und für nachfolgenden Generationen.

 

Die „wilde“ und urwüchsige Natur wird für uns Menschen, gerade im Ballungsraum, immer bedeutsamer. In unverbauter Landschaft können wir Geborgenheit finden. Überflutung durch optische Reize und das Gefühl, gestresst zu sein, lassen nach. Psychologische Untersuchungen haben längst gezeigt, dass die Natur eine heilende Wirkung auf Körper und Geist hat.

Auenlandschaft am Altneckar Heidelberg-Wieblingen. Foto: Claus Neuer
Auenlandschaft am Altneckar Heidelberg-Wieblingen. Foto: Claus Neuer

Ziel des Workshops war es, die Auenlandschaft am Unteren Neckar genauer kennenzulernen, ihren Zustand einzuschätzen und konkrete Maßnahmen, die das gesamte Gebiet des Unteren Neckars betreffen, und solche die einzelne Bereiche betreffen, zu entwickeln, um die Aue ökologisch aufzuwerten und dadurch wirksamer zu schützen. Damit dies gelingen kann, muss das Wissen über den Neckar und seine Auenlandschaft mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden. Außerdem sollen politische Gremien und Verwaltungen für die Notwendigkeit sensibilisiert werden, diese Auenlandschaft zu erhalten. 

 
Nach einer Schifffahrt von Heidelberg nach Ladenburg gaben Referenten des Regierungspräsidiums Karlsruhe, vom Aueninstitut in Rastatt und im AUN engagierte Naturschützer einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Zustand der Auen in Deutschland und der Aue am Unteren Neckar.

Was wir tun können

Verwaltung und ehrenamtliche Naturschützer der verschiedenen Anliegerorte am Unteren Neckar kamen bei diesem Workshop miteinander ins Gespräch. Sie tauschten ihre Erfahrungen in der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in der Aue aus und entwickelten gemeinsam neue Projektideen, u.a.:

 

  • Sicherung der geschützten Gebiete,
  • Entwicklung von ökologisch wertvollen Flächen, die die Naturschutzgebiete miteinander verbinden,
  • Ausweisung des gesamten Unteren Neckars als Schutzgebiet (es ist nicht nachvollziehbar, dass einige Uferbereiche weder Landschafts-, noch Naturschutz- noch FFH-Gebiete sind, 
  • Novellierung des Flächennutzungsplanes für die Aue,
  • Verringerung schädlicher Stoffeinträge durch Förderung extensiver Landwirtschaft in den ursprünglichen Auengebieten und Überführung von Ackerland in Grünland,
  • Renaturierung von Seitengewässern des Neckars und ihrer Ufer,  
  • Ausbaggern weiterer Schluten,
  • Herstellung der Durchgängigkeit des Neckars für Wanderfische durch den Bau von Fischaufstiegs-  und Fischabstiegsanlagen und der Umgestaltung von Querbauwerken,
  • Anbringen von Bruthilfen für verschiedene Vogelarten und Fledermäuse,
  • Entwickeln eines Waschbär- (Neozoen-) Managements,
  • Insektenfreundliche Beleuchtung am unteren Neckar (auch bei Baustellenbeleuchtung),
  • Bessere Information der Bevölkerung über die Bedeutung der Aue für die unsere Zukunft 
  • (Grundwasserschutz, Hochwasserschutz, Erhalt der Biodiversität, Enstpannung usw.)  
  • Förderung von Naturerleben, vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen durch Beobachtungsstellen, Ausstellungen, „Klassenzimmer im Freien“ für Schulen u.ä.
  • Aussichtsplattformen / -kanzeln ( z.B. am Wehrsteg Wieblingen)
  • Lenkung von Freizeitaktivitäten, um die sensiblen Flächen vor unachtsamen Besuchern zu schützen

Schutz der Neckaraue

Fischadler. Foto: Uwe Diehl
Ein Fischadler – ein regelmäßiger Gast am Unteren Neckar. Foto: Uwe Diehl

Aus den Ergebnissen der Tagung müssen im kommenden Jahr 2019 Maßnahmen und Aktionen für einen besseren Schutz des Unteren Neckars und der umgebenden Auenlandschaft abgeleitet werden.

 

Eine zukunftsfähige Entwicklung der Region „Unterer Neckar“ kann nur mit dem Schutz der Neckaraue einhergehen, d.h. ohne weiteren Fächenverbrauch, ohne Verbauung dieser sensiblen Landschaft und ohne weitere Belastung des Wassers. Nur so können wir den zentralen Problemen des 21. Jahrhunderts – der Klimakatastrophe und dem rasanten Artensterben (Kretschmann, 2018*)
entgegenwirken.

*W. Kretschmann, Worauf wir uns verlassen wollen: Für eine neue Idee des Konservativen, 2018

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 26.01.2018 (MP)

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