Der Teufelsabbiss im Dossenheimer Tal

Volker Violet und Dominik Jäger, Uni Heidelberg
Volker Violet und Dominik Jäger, Uni Heidelberg

Exkursion zur Blume des Jahres 2015 am 19. Juli 2015 mit Volker Violet

Text von Dominik Jäger
Fotos von Maike Petersen

Auf der Suche nach der Blume des Jahres 2015 begab sich unser Exkursionstrupp nach Ziegelhausen-Peterstal, einem Teil des Dossenheimer Tales. Das Gebiet wird vom Peterstaler Bach durchzogen, der weiter südlich in den Steinbach mündet und mit diesem schließlich in den Neckar.

Wir durchschritten Gelände mit unterschiedlichen Flora-Profilen, wie beispielsweise die Reste einer Streuobstwiese (die vom Heidelberger Biotopschutzverein gepflegt wird) oder die Ufer des Peterstaler Baches, die vor allem von Schwarzerlen gesäumt werden.

 

Auch als wir die Hänge des Tals aufwärts gingen, machte sich der feuchte Boden bemerkbar – nicht zuletzt durch viele Feuchtezeiger-Pflanzen, die unten in der Artenliste aufgeführt sind.

Biotoppflege heißt hier vor allem Kampf gegen Verbuschung

Oberhalb dieses Gebietes befanden wir uns auf offenen Flächen, die vom Buchenwald gesäumt werden. Diese Flächen sind Eigentum der Stadt Heidelberg. Um die Artenvielfalt auf diesen Böden zu erhalten, wird durch Beweidung und gezielte Landschaftspflege einer sukzessiven Verbuschung entgegengearbeitet.


Würden diese Wiesen unberührt bleiben, würden sie durch den Sukzessionsprozess innerhalb weniger Jahre verwalden und viele seltene, vor allem krautige, lichtkeimende Pflanzen, verdrängt sein.


Beweidung nur in Maßen

Deutlicher Unterschied zwischen unbeweideten und beweideten Flächen
Deutlicher Unterschied zwischen unbeweideten und beweideten Flächen

Die Freihaltung der Flächen durch Beweidung ist allerdings nicht optimal, denn sie birgt ein weiteres Problem: Die Nährstoffeintragung durch den Dung verdrängt Pflanzen, die auf nährstoffarmen Boden gedeihen, so genannte Magerkeitszeiger. Dazu gehört auch die Blume des Jahres (weitere beobachtete Magerkeitszeiger sind ebenfalls in der Artenliste unten aufgeführt). Aus diesem Grund wurden einige Flächen zusätzlich abgezäunt und so den Weidetieren unzugänglich gemacht.

Der Teufelsabbiss – eine der wenigen Fundstellen in Baden-Württemberg

Dominik Jäger
Dominik Jäger

Nach gründlichem Suchen entdeckten wir tatsächlich die Pflanze, die im Mittelpunkt des Interesses stand: Succisa pratensis MOENCH, den Teufelsabbiss. Er gehört zur Ordnung der Kardenartigen (Dipsacales) und der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae), Unterfamilie: Dipsacoideae.

 

Um seine Blüte bewundern zu können, waren wir allerdings leider etwas zu früh dran: Auch wenn die Blütezeit im Juli anfängt und bis September andauert – die Exemplare, die wir im Peterstal gefunden hatten, waren noch nicht aufgeblüht.

 

Der deutsche Name geht auf eine Legende zurück, die von dem Teufel handelt, der aus Wut über diese, dem Menschen nützliche, Heilpflanze das Kraut ausriss und ein Stück der Wurzel abbiss (sehen Sie dazu auch den Artikel hier).

Tatsächlich stirbt das Rhizom der Succisa unten allmählich ab und sieht wie „angebissen“ aus. Der Teufelsabbiss erreicht Wuchshöhen von bis zu 50 cm und trägt die gegenständigen Laubblätter in Rosetten. Man trifft ihn auf nährstoffarmen Böden an, weshalb er als Magerkeitszeiger gilt.

 

In Baden-Württemberg ist Succisa eher selten, der Gefährdungsgrad ist lokal unterschiedlich (G2 bis G3). Generell ist ein drastischer Rückgang zu verzeichnen. Gründe hierfür sind Entwässerung und Trockenlegung von Sümpfen, Verbuschung offener Flächen und Düngung.

Artenliste der beobachteten Pflanzen

  • Dryopteris filix-mas SCHOTT (Gewöhnlicher Wurmfarn), Familie: Dryopteridaceae
  • Pteridium aquilinum KUHN (Adlerfarn), Familie: Dennstaedtiaceae
    sehr invasiv, muss auf den freien Flächen manuell zurückgedrängt werden
  • Athyrium filix-femina ROTH (Wald-Frauenfarn), Familie: Woodsiaceae
  • Lapsana communis L. (Gemeiner Rainkohl), Familie: Asteraceae
    12 gelbe Zungenblüten, in der Hülle werden Samen gebildet, ein- bis zweijährige Pflanze, kann mit Speicherorgan Dürren überstehen
  • Equisetum sylvaticum L. (Wald-Schachtelhalm), Familie: Equisetaceae,
    regional eher selten, häufiger am Alpenrand zu finden, sehr feine Seitensprosse
  • Quercus petraea LIEBL. (Traubeneiche), Familie: Fagaceae
    ungestielte Eicheln, Beobachtung: Galle am Seitenspross, d.h. Eichel von Insektenlarven bewohnt und zerstört
  • Frangula alnus MILL. (Faulbaum), Familie: Rhamnaceae
    heimisches Gehölz, Früchte hängen einzeln am Seitenspross, Farbe der Frucht im Verlauf der Reifung: grün, hellrot, dunkelrot, schwarz, große Wichtigkeit als Lebensraum für die Raupen des Zitronenfalters (diese sind oligophag)
  • Prunus serotina EHRH. (Spätblühende Traubenkirsche), Familie: Rosaceae Fruchtstand: Traube, durch Forstverwaltung in heimische Wälder eingeführt; die starke Vermehrung kann als problematisch eingestuft werden
  • Cirsium palustre SCOP. (Sumpf-Kratzdistel), Familie: Asteraceae
  • Cytisus scoparius LINK (Besenginster), Familie: Fabaceae
    trägt Hülsenfrüchte, die leicht gewunden sind, muss auf offenen Flächen manuell zurückgedrängt werden, um Verbuschung entgegenzuwirken
Schwarze Flockenblume
Schwarze Flockenblume
  • Persicaria maculosa GRAY (Floh-Knöterich), Familie: Polygonaceae
  • Hypochaeris radicata L. (Gewöhnliches Ferkelkraut), Familie: Asteraceae
    nur Zungenblüten, lange, blattlose Blütenstiele
  • Pilosella officinarum L. (Mausohr-Habichtskraut), Familie: Asteraceae
  • Potentilla erecta RAEUSCH (Blutwurz), Familie: Rosaceae
  • Anthoxanthum odoratum L. (Gewöhnliches Ruchgras), Familie: Poaceae
    Name aufgrund des typischen Heugeruchs
  • Euphrasia rostkoviana. L. (Augentrost), Familie: Orobanchaceae
    in Heidelberg sehr selten, Aussehen der Blüte erinnert an ein Auge (daher der Name); daraus wurde eine heilende Wirkung bei Augenerkrankungen abgeleitet. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich fraglich, dennoch wird Euphrasia auch heute noch in der Medizin verwendet.
  • Achillea vulgaris L. (Wiesen-Schafgarbe), Familie: Asteraceae
    Blütenstand: Rispe; täuscht eine Dolde vor
  • Campanula rapunculus L. (Rapunzel-Glockenblume), Familie: Campanulaceae
  • Digitalis purpurea L. (Rote Fingerhut), Familie: Plantaginaceae
    alle Pflanzenteile sind hochgiftig, Mittel gegen Herzinsuffizienz
  • Ilex aquifolius. L. (Stechpalme), Familie: Aquifoliaceae
    heimischer Strauch
  • Daucus carota L. (Wilde Möhre), Familie: Apiaceae
  • Angelica sylvestris L. (Wald-Engelwurz), Familie: Apiaceae
  • Pimpinella major L. (Große Bibernelle), Familie: Apiaceae
  • Ranunculus acris L. (Scharfer Hahnenfuß), Familie: Ranunculaceae
  • Silene dioica CLAIRV. (Rote Lichtnelke), Familie: Caryophyllaceae
  • Plantago major L. (Breit-Wegerich), Familie: Plantaginaceae
  • Galium mollugo L. (Wiesen-Labkraut), Familie: Rubiaceae
    Zeigerpflanzen für magere Böden
  • Calluna vulgaris HULL (Heidekraut bzw. Besenheide), Familie: Ericaceae
    kleine, schuppenartige Blätter, Vorsicht: nicht mit Erica L. (Heidekräuter) verwechseln
  • Thymus spec. L. (Thymian), Familie: Lamiaceae
    neben Magerzeiger auch Trockenzeiger
  • Centaurea nigra L. (Schwarze Flockenblume), Familie: Asteraceae
    neben Magerzeiger auch Trockenzeiger
  • Campanula rotundifolia L. (Rundblättrige Glockenblume), Familie: Campanulaceae
    neben Magerzeiger auch Trockenzeiger
  • Rumex acetosella L. (Kleiner Sauerampfer), Familie: Polygonaceae
Volker Violet an der "Rendevouz-Blume"
Volker Violet an der "Rendevouz-Blume"

Zeigerpflanzen für feuchte Böden

  • Molinia spec. SCHRANK (Pfeifengräser), Familie: Poaceae
    Gräser zum Putzen der Pfeifen verwendet, daher der Name
  • Salix caprea L. (Salweide), Familie: Salicaceae
  • Populus tremula L. (Zitterpappel bzw. Espe), Familie: Salicaceae
  • Lotus pedunculatus CAV. (Sumpf-Hornklee), Familie: Fabaceae
  • Stellaria alsine GRIMM (Bach-Sternmiere), Familie: Caryophyllaceae
    oft in Quellgebieten zu finden (im Gegensatz zur Gras-Sternmiere, die eher auf Wiesen zu finden ist)

Artenliste der beobachteten Tiere

  • Pholidoptera griseoaptera DE GEER (Gemeine Strauchschrecke)
    Unterordnung: Ensifera (Langfühlerschrecken), Familie: Tettigoniidae
  • Tetrix undulata SOWERBY (Gemeine Dornschrecke)
    Unterordnung: Caelifera (Kurzfühlerschrecken), Familie: Tetrigidae (Dornschrecken)
    Überwinterung als Larve (nicht im Ei)
  • Gomphocerippus rufus L. (Rote Keulenschrecke)
    Unterordnung: Caelifera (Kurzfühlerschrecken), Familie: Acrididae,
    typisch: verdickte Fühlerenden

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 17.08.2015 (MP)

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