arte drehte mit dem NABU Heidelberg

Das Wissensmagazin X:enius war bei uns zu Gast

Text und Fotos von Maike Petersen

Kameras 1 und 2? – Set! Set! – Dann bitte!

Der 7. August 2015 sollte ein langer Arbeitstag werden: Eine siebenköpfige Filmcrew aus Berlin hatte sich angesagt von dem Wissensmagazin X:enius, das für den NDR produziert und am 18. Mai 2016 auf arte ausgestrahlt wurde.

 

Sehen Sie den Beitrag in artes Mediathek (www.arte.tv/guide/de/055917-023-A/xenius) und lesen Sie den Hintergrundbericht hier.

Vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche um inhaltliche und organisatorische Fragen. Da X:enius einen Tag vorher beim Haus der Astronomie der Heidelberger Klaus-Tschira-Stiftung drehen würde, suchten sie für den Folgetag einen Ornithologen vor Ort, der kompetent zu dem Sendungsthema „Ausgezwitschert – Warum gibt es immer weniger Singvögel, und wie können wir ihnen helfen?“ Auskunft geben könnte.

Dörte Eickelberg, Sebastian Olschewski, Pierre Girard und Maike Petersen
Das arte- und NABU-Team: Dörte Eickelberg, Sebastian Olschewski, Pierre Girard und Maike Petersen am Ende eines langen Drehtages (zum Vergrößern anklicken)

Was lag näher, als den Heidelberger NABU zu googeln und auf dessen Webseiten auch fündig zu werden: Nicht nur verfügen wir über herausragende Vogelkundler, sondern auch über einen die Artenvielfalt fördernden Naturgarten, in dem sich ungestört würde drehen lassen.  Die gelungene Internetpräsentation und erste Gespräche mit Maike Petersen von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gaben den Ausschlag, und der Kontakt zu unserem Vogelexperten Sebastian Olschewski, der auch NABU-Exkursionen zum Thema leitet, wurde vermittelt.


Im Ökogarten der Pädagogischen Hochschule

Der Eingang in den Garten der Pädagogischen Hochschule
Der Eingang in den Ökogarten der Pädagogischen Hochschule

Der verbandseigene NABU-Garten in Heidelberg-Handschuhsheim war ursprünglich als Drehort vorgesehen, bereitete dann aber tagelang Kopfzerbrechen, denn er liegt nahe der B3 und der stark frequentierten Straßenbahnlinie. Der Tonleiter erklärte Maike Petersen geduldig, dass das Team jedes Mal die Aufnahme abbrechen müsse, sobald Zivilisationsgeräusche stören. Damit würden sie nie die veranschlagte Drehzeit von 10-18 Uhr einhalten können.

 

Birgit Hug vom Projekt „Abenteuer Naturgarten“ schlug den wunderschön angelegten und gepflegten Ökogarten der PH Heidelberg vor, der ruhig im Neuenheimer Feld liegt. Dieses war eine gute Alternative, und die Pädagogische Hochschule stellte uns den Garten auch gerne einen ganzen Tag lang für Dreharbeiten zur Verfügung.

Erinnert eher an eine Szene aus MacGyver - sind wir im falschen Film?
Erinnert eher an eine Szene aus MacGyver - sind wir im falschen Film?

Die ersten zehn Minuten: Vogelgezwitscher und Rotorenlärm

Das ausgeschlafene arte-Team war bereits halb zehn vor Ort und hatte gerade munter die Ankunft des X:enius-Busses vor dem Gartentor gedreht, als Maike Petersen zu ihnen stieß. Die staunte nicht schlecht, denn bereits während der ersten Sichtung der „Location“ dröhnte ohrenbetäubender Lärm durch den Garten und Sturm plättete die Stauden. Es hatte irgendwie keiner an den angrenzenden Hubschrauberlandeplatz des ADACs und der Kliniken gedacht!

Sieht zwar aus wie Flucht und Verzweiflung, tatsächlich blieb das arte-Team aber cool
Sieht aus wie Flucht und Verzweiflung, tatsächlich blieb das arte-Team aber cool

Dieser entpuppte sich im Laufe des Tages als höchst lästige Geräuschkulisse, denn wegen der extremen Hitze wurden einige Rettungseinsätze geflogen. Ironische Gedanken zurückdrängend machte sich das hochmotivierte Team aus Regisseur Markus Erwig, den beiden Kameraleuten Jupp Tautfest und Larissa Rausch, dem Tontechniker Immo Trümpelmann und einer Maskenbildnerin sofort an die Vorbereitungen.

Das Interview – man denkt, es ist so locker

Die Moderatoren Pierre Girard und Dörthe Eickelberg
Die Moderatoren Pierre Girard und Dörthe Eickelberg

Sebastian Olschewski, der Hauptdarsteller, kam nur wenige Minuten später. Er wurde gleich verkabelt und von den Moderatoren Pierre Girard und Dörte Eickelberg lebhaft gebrieft.


Das allgemeine Skript der Berliner Wissenschaftsredaktion lag vor und war abgesprochen, aber es sollte auch immer noch Raum geben für spontanen „situativen Dialog“. Diese Art des freien Interviews machte zwar am meisten Spaß, erforderte aber konsequentes Mitdenken:

Regisseur Markus Erwig
Regisseur Markus Erwig

Wer hat was an welcher Stelle und mit welchem genauen Wortlaut gesagt? Welche Begriffe nehmen wir, welche könnten missverständlich sein: Ist „Futterhäuschen“ mit „Vogelhäuschen“ zu verwechseln? Ist „Nisthilfe“ oder „Nistkasten“ besser? Welches Vorwissen bringen die Zuschauer mit, was können wir voraussetzen und was haben sie zu den jeweiligen Sendeminuten bereits alles dazugelernt? Wie genau machen wir die Übergänge und die Anmoderationen der später dazu geschalteten Filmbeiträge zum Thema? Vieles wurde erst am Drehtag selbst zusammen besprochen und ausprobiert.

Sebastian Olschewski wird über die Schulter gedreht
Sebastian Olschewski wird über die Schulter gedreht

Bedenkt man, dass einige Antworten und Ausführungen bis zu acht Mal variiert und wiederholt wurden, ehe alle zufrieden waren, wirkt so ein Gespräch manchmal wie ein Blindflug: Der Cutter später ist durchaus gefordert, mitzudenken. Von den acht Stunden am Drehort werden für die Sendung 10 Minuten herausdestilliert - normal für technisch und inhaltlich anspruchsvolles Fernsehen wie bei arte.

Die extreme Hitze an diesem Tag forderte zusätzlich ihren Tribut und erschwerte selbst Profis die Konzentration. Winzige grammatikalische Ungenauigkeiten beispielsweise, die für deutsche Ohren charmant klingen, wollte Pierre Girard als die französische Hälfte des Moderatorenteams mit seinem professionellen Anspruch nicht akzeptieren. Und auch Sebastian Olschewski optimierte flexibel einige Formulierungen, denn „Vögeln mit Nisthilfen unter die Arme greifen“ entwickelt eine ungewollte Komik. Dazu kamen akustische Störungen, die immer wieder zum Abbruch der Szene zwangen – Radfahrer, Hunde, Hunde-Rufende, Kinder, Sirenen, Flugzeuge – man nimmt die Umgebung komplett anders wahr.

Gute Laune auch nach sechs Stunden bei 40 Grad
Gute Laune auch nach sechs Stunden bei 40 Grad

Gemeinsames Schrauben schweißt zusammen

Neben den Interviews lockerten zwei „Action-Szenen“ die Sendung auf. Eine vorgesägte Nisthilfe für höhlenbrütende Arten wie den Gartenrotschwanz sollte mit rund sechzehn mittelgroßen Schrauben zusammengebaut werden. Eine Herausforderung für die viel Sport treibende Moderatorin Dörte Eickelberg, die mit Charme und Power viele Film- Minuten zeitvergessend handwerkelte.

Aufgehängt wurde die fertige Nisthilfe fachgerecht am Gartenpavillon im PH-Garten.

 

Die Männer waren eher gefragt beim Aushub eines Pflanzloches für die von Vögeln heiß geliebte Eberesche, auch Vogelbeere genannt. Ein Geschenk von arte an den Garten der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Diese Aktion sollte die schließende Szene sein. Sebastian Olschewski schlug den Stützpflock in den knochentrockenen Boden und äußerte sich dazu, wie wichtig es sei, heimische Pflanzen in den eigenen Garten zu setzen, denn nur diese werden auch von den hiesigen Vögeln und Insekten genutzt.

Sehen Sie dazu auch den Vergleich verschiedener Gehölze hier.

Der Hintergrund zur Sendung - 421 Millionen Vögel weniger

Von Sebastian Olschewski

Der Rückgang vieler heimischer Singvogelarten in Baden-Württemberg, Deutschland und Europa ist dramatisch. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Vogelbestand in Europa um 421 Millionen Individuen verringert. Der Rückgang betrifft nicht nur seltene oder hinsichtlich ihres Lebensraumes besonders anspruchsvolle Arten, sondern zeichnet sich auch bei ehemals sehr häufigen Vogelarten ab.


Besonders betroffen sind Arten der offenen und halboffenen Agrarlandschaft: Feldlerche, Goldammer, Baumpieper, Braunkehlchen und Grauammer sind einige Beispielarten mit stark negativen Bestandsentwicklungen in den letzten Jahrzehnten.

Zu intensive und einseitige Flächennutzung

Die Ursachen sind vielfältig, einer der Hauptfaktoren ist die sehr intensive Bewirtschaftung des Landes. Die Einsätze von Pflanzenschutzmitteln und Düngern haben stark zugenommen, die Strukturvielfalt in Form von Hecken, Brachen und Randstreifen dafür umso stärker abgenommen. Die Kulturpflanzen-Bestände sind dichter und lichtärmer geworden und oftmals ohne Wildkraut-Begleitflora. Die Fruchtfolgenvielfalt hat ebenfalls stark abgenommen.


All dies hat zur Folge, dass sich die Nahrungsgrundlage in Form von leicht verfügbaren Insekten als eiweißreiche Nestlingsnahrung drastisch reduziert hat und damit den Feldvögeln nicht mehr ausreichend Nahrung zur Verfügung steht.

Dieser Trend hin zu einer intensiveren Landbewirtschaftung wird in einigen Regionen durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe – z. B. in Form von Gärsubstrat für Biogasanlagen – in den letzten Jahren verstärkt. In dieser Form kann Klimaschutz ein Biodiversitätskiller sein. Weitere Ursachen sind der weiterhin rasant voranschreitende Flächenverbrauch, Landnutzungsänderungen in den Rast- und Überwinterungsgebieten, die illegale Vogeljagd und der Klimawandel.

Jeder kann helfen

Nistkasten aus einem Bausatz
Nistkasten aus einem Bausatz

Der Siedlungsbereich wird für einige anpassungsfähige Singvogelarten immer wichtiger (z. B. Feldsperling). Wer einen Garten hat, kann diesen vogelfreundlich gestalten durch:

  • den Anbau einheimischer Pflanzenarten,
  • den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel,
  • die Anlage naturnaher Heckenstrukturen,
  • das Aufhängen von Nisthilfen.

Auch das eigene Konsumverhalten kann einen Beitrag zum Vogelschutz leisten:

  • der Kauf von regionalen Produkten aus zertifiziert biologisch-dynamischen Anbau hilft der Vielfalt auf dem Acker,
  • der bewusste Einsatz des eigenen Autos reduziert den Flächenverbrauch.


Über X:enius

Xenius ist der Beiname des Gottes Jupiter, dem Gastlichen, Beschützer der Fremden, Rächer des beleidigten Gastrechts, gütig, lieb, reich. Es steht für Gastfreundschaft und –freiheit.

Das Wissensmagazin vom deutsch-französischen Kultursender arte antwortet in leicht verständlicher Weise auf die kleinen und großen Alltagsfragen, die uns allen schon einmal durch den Kopf gegangen sind. Es richtet sich an Zuschauer aller Altersgruppen.

 

X:enius wird abwechselnd von drei Duos moderiert mit jeweils einem deutschen und einem französischen Moderator, die mit dem „X:enius-Wissensbus“ durch Europa fahren.

 

  • X:enius wird zweimal werktäglich ausgestrahlt, jeweils etwa um 8:00 und 16:30 Uhr und umfasst 26 Minuten Sendezeit.
  • Gedrehte Sendungen werden in der Regel zwei Monate später ausgestrahlt, unsere Sendung wurde am 18. Mai 2016 ausgestrahlt.

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 19.05.2016 (MP)

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