Aktionsbündnis Unterer Neckar

Ein Zusammenschluss aus Mitgliedern des Naturschutzbundes (NABU), des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Landesnaturschutzverbandes (LNV) und engagierten Bürgern

Flussregenpfeifer. Foto: Manfred Eimers

 

Wir wollen zusammen mit den Behörden den letzten natürlichen und lebendigen Flussabschnitt des Neckars erhalten!

 

 

 

Links: Der Flussregenpfeifer - Wappentier

des Unteren Neckars. Foto: Manfred Eimers

Gründung des Aktionsbündnisses 2015

Am 12. Februar 2015 trafen sich erstmals Mitglieder von NABU, BUND, LNV und engagierte Umweltschützer, um sich für die Naturschutzgebiete entlang des Unteren Neckars einzusetzen. Ziele des Bündnisses sind, ein ortsübergreifendes kooperatives Netzwerk zu bilden, einen optimalen Informationsfluss sicherzustellen und die Kräfte zu bündeln. Vertreten sind Gruppen aus Heidelberg, Mannheim, Ilvesheim und Ladenburg.

 

Naturschutz und Hochwasserschutz müssen nachhaltig und maßvoll vereinbar sein.

 

Die Koordination und Sprecherfunktion hat Christopher Paton.

 

Das Aktionsbündnis trifft sich einmal im Monat.
Ort: Welthaus am Hauptbahnhof Heidelberg. Die Termine finden Sie hier.

 

Themen der ersten Sitzungen waren u.a. Biotopverbund, Durchflussproblematik, Dammpflege, Ortsgruppenschwerpunkte sowie anstehende Diskussionsrunden und Begehungen. Machen Sie mit und kommen Sie vorbei!

Eisvögel am Unteren Neckar. Foto: Regine Buyer
Eisvögel am Unteren Neckar. Foto: Regine Buyer

Unser Anliegen

Der aktuelle Artenschutzbericht (2015) des Bundesamtes für Umwelt und Natur belegt:

"Der Zustand der Arten in Deutschland ist alarmierend. Ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist gefährdet, 4 % sind bereits ausgestorben. Damit wird das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen. An vorderster Stelle der Ursachen stehen dabei auch Bauamtsmaßnahmen wie Gewässerunterhaltung sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Die Intensivierung der Nutzung von Natur und Landschaft ist mit der Zerstörung von Lebensräumen verbunden. Dringend notwendig sind der Erhalt und die Einrichtung ungenutzter Pufferstreifen sowie die Wiedergewinnung von Auenflächen. Die Flüsse müssen wieder durchgängig gemacht und mit ihren Auen verbunden werden. Bei der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen ist auf bestmögliche Rücksichtnahmen zwischen Belangen des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes zu achten.“

Dies gilt vor allem für die Metropolregion Rhein-Neckar, einem Ballungsraum, in dem die Naturschutzgebiete einem extrem hohen Bevölkerungsdruck ausgesetzt sind.

  • Wir – die Anrainer des Unteren Neckars, einem der letzten weitestgehend naturbelassenen Flussabschnitte in Deutschland – haben die Verantwortung, diese einzigartige Landschaft nicht nur für Biber, Eisvogel und all die anderen darin lebenden Tiere zu erhalten, sondern auch für uns und die nachfolgenden Generationen.
  • Das Aktionsbündnis Unterer Neckar (AUN) stellt sich dieser Aufgabe:
    Wir wollen den Neckar in enger Zusammenarbeit mit den Behörden und Bürgern lebendig erhalten, auch damit das Motto der Sommer-Veranstaltung „Lebendiger Neckar“ weiterhin der Wahrheit entspricht.

Die Situation am Neckarufer in Ladenburg 2018

Um den Schutz unserer Flüsse vor der zunehmenden Belastung durch den Eintrag an Nährstoffen und Pestiziden zu schützen, stehen die Gewässerrandstreifen unter besonderem Schutz. Nach wiederholten Gesprächen des AUN mit der Stadtverwaltung in Ladenburg können nun (2018) an einigen Stellen auch wieder Stauden am Neckarufer wachsen.

Randstreifenrückschnitt in Ladenburg. Foto: Birgit Biemann
Wiederholte Randstreifenrückschnitte wie sie in den letzten Jahren in Ladenburg üblich waren. Foto: Birgit Biemann

Da Ladenburg zu den Gewinnern des Projekts "Natur nah dran" gehört, das Projekte zur biologischen Vielfalt unterstützt, haben die Ladenburger nun die Hoffnung, dass auch das gesamte Neckarufer in Zukunft wirksam geschützt wird.

April 2018 - Aufgrund der neuen Hochwasserschutzrichtlinien von 2012 wurde bereits vor einigen Jahren damit begonnen, zahlreiche Bäume und Büsche auf dem Neckardamm zu entfernen. Die Rodungen auf dem Damm reißen große Lücken in die Vegetation.

 

Damit ist der wertvolle Biotopverbund, der durch die Unterschutzstellung erhalten werden sollte, gefährdet.

  • Das Aktionsbündnis forderte deshalb, Ausgleichsmaßnahmen und Ausweichmöglichkeit für dort lebenden Tiere rechtzeitig vor den Rodungen durchzuführen, so dass die Kontinuität des Naturschutzes gewährleistet ist.
  • 2018 ist es am Neckarseitenkanal in Ladenburg erstmals gelungen, eine gemeinsame Planung für vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen durchzusetzen.

 

"Vor dem Hintergrund, dass am Seitenkanal Ladenburg rund 11 ha gerodet werden sollen, war es den Naturschützern der Region wichtig, dass dort - zwischen Damm und Ufer ein Gehölzstreifen als Ersatzbiotop gepflanzt wird, eine Hecke mit heimischen Gehölzen, die  in diesem Frühjahr gepflanzt werden soll und die hoffentlich über die Jahre sachgerecht gepflegt wird" - Regine Buyer vom BUND Heidelberg.


Die Mitglieder des Aktionsbündnisses Unterer Neckar hoffen, dass auch an den anderen Dammabschnitten rechtzeitig Ausgleichsquartiere geschaffen werden können - jedenfalls zumindest für einige der Tiere, deren Lebensraum durch die Dammrodungen beseitigt wird.    

Haubentaucher am Unteren Neckar. Foto: Regine Buyer
Haubentaucher bei der Jungenaufzucht. Foto: Regine Buyer

Lebendiger Neckar – Wie lange noch

Von Tobias Staufenberg, Regionalgeschäftsführer des BUND

2015 - Anlässlich des Aktionstags „Lebendiger Neckar“ kritisiert das Aktionsbündnis den teilweise bedenklichen Zustand des Flusses. Vor allem die Umsetzung einiger Naturschutzverordnungen, aber auch das Verhalten der Menschen in den Schutzgebieten entlang des Neckars sind problematisch.

Unterer Neckar. Foto: Maike Petersen
Foto: Dieter Arnold

Der 'Lebendige Neckar', wie er im Juni gefeiert wird, ist teils in akuter Gefahr. Zwischen Heidelberg und Mannheim sind zahlreiche Brennpunkte entstanden, an denen rasches Handeln erforderlich ist.

 

Naturschutzgebiete werden als Partylocation genutzt und die Vegetation am Neckarkanal und -damm teils vollständig gerodet.

Wir sind derzeit auf dem besten Weg, einen der letzten naturbelassenen Bereiche der Region zu vernichten und Neubürger wie den Biber wieder zu vertreiben.

Aktionsbündnis fordert mehr Naturschutz am Neckar

Biber in Heidelberg

Ein zentrales Problem ist aus Sicht des Aktions-bündnisses das Freizeitverhalten in bestehenden Naturschutzgebieten. So wird die Ilvesheimer Altneckarschleife im Sommer als Party- und Grillzone genutzt. Dort wurden die Biber durch freilaufende Hunde und nächtliche Partys mittlerweile vertrieben.

 

Trotz mehrfacher Kritik der Naturschutzorganisationen ist die Gemeinde bisher jedoch untätig. Auch in Edingen-Neckarhausen werden die Kiesbänke im Naturschutzgebiet als Freizeitfläche genutzt.

Ein weiteres Problem sind die teils massiven Rückschnittsmaßnahmen, die im letzten Jahr in Heidelberg und Mannheim aufgrund neuer Regelungen zum Hochwasserschutz am Neckarkanal und -damm durchgeführt wurden. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses sind sich zwar bewusst, dass Hochwasserschutz ein enorm wichtiges Thema ist, fordern allerdings, die Maßnahmen aufgrund von Einzelfallbetrachtungen und nicht von theoretischen Berechnungen durchzuführen.

Weitere Probleme bestehen in der zunehmenden nächtlichen Fischerei auf Großwelse, die sich mittlerweile zum lukrativen Geschäftsfeld entwickelt hat, und kaum kontrollierbar ist. Auch die Ausbringung von Pflanzengiften am Mannheimer Neckarufer ist problematisch. Die teilweise kommerziell betriebene Nachtfischerei auf Großwelse am Unteren Neckar (sogenanntes Catch and Release) verstößt nicht nur gegen bestehende Gesetze, sondern ist ein massiver Störfaktor für dieses sensible Schutzgebiet, in dem viele nachtaktive und streng geschützte Tiere leben.

Die Probleme sind jedoch allesamt lösbar, wenn alle an einem Strang ziehen.

Blühender Rainfarn in Ladenburg am Neckar. Foto: Birgit Biemann
Blühender Rainfarn in Ladenburg am Neckar. Foto: Birgit Biemann

Unterer Neckar - Aktuelle Gefahren und Lösungen im Jahr 2015

Neckar - gerodete Fläche am Ufer

Heidelberg-Wieblingen: Der massive Rückschnitt auf den Schwemminseln im vergangenen Jahr als Hochwasser-Schutzmaßnahme hat dazu geführt, dass die streng geschützten Biber ihre Burg verlassen haben. Andere seltene und geschützte Arten sind nicht wieder zurückgekehrt.

  • Lösung: Derartige Eingriffe in dieses kostbare Biotop, das höchsten Schutzstatus genießt, müssen unterlassen werden. Notwendige Hochwasserschutzmaßnahmen dürfen nur mit äußerster Vorsicht und Rücksichtnahme auf die Tier- und Pflanzenwelt durchgeführt werden.
Neckar - gerodete Fläche am Ufer

Ladenburg: Aus touristischen Gründen und wegen Festaktivitäten wird an langen Flussabschnitten die Ufervegetation trotz einer Gewässerrandstreifen-Verordnung regelmäßig und radikal bis ans Wasser herunter gesenst. Kein Vogel, kein Schmetterling, keine Biene findet mehr Schutz, geschweige denn Nahrung.

  • Lösung: Breite Randstreifen entlang des Neckars und des Kanzelbaches sollen nur maßvoll gepflegt werden, damit sich die Pflanzen entwickeln und Blüten und Samen bilden können. Gewässerrandstreifen sollen extensiv biotopgerecht gepflegt werden.
Foto Dieter Arnold
Foto: Dieter Arnold

Edingen-Neckarhausen: Die Kiesbänke im Naturschutzgebiet werden exzessiv als Partylocation genutzt. Zahlreiche Hundebesitzer lassen ihre Tiere täglich im NSG frei laufen und einige Angler betreiben ihr Hobby ungeachtet der Schutzzonen und -zeiten.

  • Lösung: Naturschutzgebiete sind per Gesetz für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Gemeinden sind gehalten, bestehendes Recht wirkungsvoll umzusetzen.

Ilvesheimer Altneckarschleife: Auch hier, an der letzten naturbelassenen Neckarschleife, wurden die Biber durch freilaufende Hunde und nächtliche Partys vertrieben. Ebenso ist der Flussregenpfeifer, das Wappentier des Unteren Neckars, hier verschwunden.

  • Lösung: Sperrung des Naturschutzgebietes, Schaffung einer künstlichen Kiesbank im angrenzenden Landschaftsschutzgebietes für die Freizeitnutzung.

Erfreuliche Entwicklung in Ilvesheim am 17. Juni 2015: Die Zugänge am Südufer und an der Nordweide wurden mit klarer Beschilderung als Naturschutz-gebiete ausgewiesen und mit Betreten-verboten-Schildern gesperrt.

Neue Beschilderung an der Nordweide. Foto: Dieter Arnold
Neue Beschilderung an der Nordweide. Foto: Dieter Arnold

Mannheim: Im Zuge der Neuregelungen im Hochwasserschutz wurde damit begonnen, einen wertvollen Biotopverbund entlang des Neckardammes im Bereich der Maulbeerinsel zu zerstören.

  • Lösung: Als Ausgleichsmaßnahme soll parallel zum Damm ein neuer Vegetationsstreifen angelegt werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hat dazu bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben.
Neckar - gerodete Fläche am Ufer

Der Neckarkanal: Aufgrund der neuen Hochwasserschutzrichtlinien soll die gesamte Vegetation auf allen Dämmen entlang des Neckarkanals in den nächsten Jahren vollständig entfernt werden.

 

Mehr als 500 Bäume würden dieser Maßnahme zum Opfer fallen.

  • Lösung: Diese drastische Maßnahme beruht allein auf theoretischen Berechnungen. Sie berücksichtigt weder die tatsächliche Situation bei Hochwasser vor Ort, noch die lokalen Gegebenheiten wie die vorhandene vollständige Verspundung des Kanals sowie das Hochwasserschutztor in Mannheim. Hier muss differenzierter und anhand von Praxisdaten beurteilt und entschieden werden.

Mannheim: Ungeachtet der Gewässerrandstreifen-Verordnung, in der der Einsatz von Herbiziden an Gewässern strengstens verboten ist, wurde entlang des Neckars ein Pflanzenvernichtungsmittel (Genoxone) gesprüht, das sehr schädlich für Wasserorganismen ist.

  • Lösung: Die Gewässerrandstreifen-Verordnung muss strikt eingehalten werden. Grundsätzlich dürfen keine Chemikalien an Gewässern und auf nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten einschließlich Mähwiesen und Weiden eingesetzt werden.
Neckar - Graugänse

Fischerei: Die teilweise kommerziell betriebene Nachtfischerei auf Großwelse am Unteren Neckar verstößt nicht nur gegen bestehende Gesetze, sondern ist ein massiver Störfaktor für dieses sensible Schutzgebiet, in dem viele nachtaktive und streng geschützte Tiere leben.

  • Lösung: Regelmäßige Kontrollen durch die Fischereiverbände, die Fischereiaufsicht und die Wasserschutzpolizei.
Der AUN: Regine Buyer, Maike Petersen, Karl-Friedrich Raque, Thomas Matuszek
Das AUN auf der Veranstaltung "Unser Neckar" am 27.09.2015 in Neckarhausen. Foto: Maike Petersen

Es finden immer wieder Exkursionen von NABU und BUND an den Unteren Neckar statt: Hier eine vogelkundliche NABU-Frühjahrsexkursion im März 2016 mit Karl-Friedrich Raqué.

 

Besonders der BUND bietet auch Informationsveranstaltungen an. Fragen Sie nach und machen Sie mit.

 

 

 

Sehen Sie auch den Beitrag "Biber in Heidelberg" in der Rubrik Themen und Projekte.

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 01.04.2018 (MP)

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